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THE OTHERS When in Doubt

2026

Zwischen Prekarität und klanglicher Expansion: THE OTHERS navigieren mit einer neuen Ernsthaftigkeit durch die Trümmer der Moderne. Das Album WHEN IN DOUBT entwirft eine dichte Atmosphäre aus unterkühltem Post-Punk und psychedelischer Weite. Dominic Masters blickt dabei schonungslos auf die eigene Geschichte zurück.

The Others zeigen sich auf ihrem sechsten Studioalbum als ein Kollektiv, das die Enge der eigenen Legende endgültig verlassen will. Die Entscheidung, das Line-up auf sieben Mitglieder zu erweitern, materialisiert sich nicht in bloßer Lautstärke, sondern in einer fast mathematischen Schichtung von Texturen. Nick Howiantz hat in den Brixton Hill Studios eine Klangwelt konserviert, die zwischen der Trockenheit früherer Tage und einer beinahe sakralen Tiefe oszilliert. Wo früher die reine Energie des Punk-Pop regierte, dominiert nun eine strategische Distanz, die den Raum zwischen den Noten ebenso wichtig nimmt wie die Verzerrung selbst.

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Diese visuelle und klangliche Neuausrichtung findet ihre Entsprechung in der Inszenierung des Covers: Das verzerrte Weitwinkel-Tableau vor der leuchtenden Architektur-Kante fungiert als Manifest einer Gruppe, die sich nicht mehr hinter jugendlicher Unbekümmertheit verstecken kann. Das Verhältnis von Pose und Authentizität wird hier zum zentralen Problem; die Musiker wirken in ihrer statischen Aufreihung fast wie Fremdkörper in einer hyperrealen, urbanen Nacht. Es ist die visuelle Übersetzung einer Band, die ihre eigene Relevanz im Jahr 2026 nicht mehr über die Ekstase der Bühne, sondern über eine fast statuarische Präsenz im kulturellen Raum definiert.

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„I Don’t Mind“ fungiert als struktureller Anker dieser Entwicklung, indem das Stück die vertraute Punk-Attitüde in eine dystopische Klanglandschaft überführt, die eher an die kühle Präzision von Joy Division erinnert als an die raue Unmittelbarkeit von „This Is For The Poor“. Die Integration von Orgeln und Synthesizern in Stücken wie „Met You In A Bar“ oder „Stagger To Your Feet“ wirkt dabei nie dekorativ. Sie sind notwendige Begrenzungen, die verhindern, dass die Songs in nostalgische Muster zurückfallen. Dominic Masters nutzt seine Stimme funktionaler denn je; er deklamiert mehr, als er singt, was die Schärfe seiner Beobachtungen über das Leben an der Armutsgrenze in „Never Thought It Would Be So Difficult“ nur unterstreicht.

Die Reibung entsteht dort, wo die Band versucht, ihre Wurzeln im „Indie Sleaze“ mit einer fast schon barocken Opulenz zu versöhnen. In „Who I Was“ bricht die rohe Stooges-Energie gegen eine Wand aus beinahe ätherischen Harmonien, was eine ästhetische Spannung erzeugt, die das Album über weite Strecken trägt. Es ist eine Absage an die reine Formlehre der frühen Jahre. The Others haben begriffen, dass die Fortsetzung ihrer Geschichte nur über die Dekonstruktion ihrer eigenen Klischees gelingen kann, selbst wenn dies den Verlust der ursprünglichen Unbeschwertheit bedeutet.

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74
gruppe
2026
When in Doubt
DU-0392-GG

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

portrait
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