Raffertie – Sleep Of Reason

Raffertie hat endlich sein Debütalbum veröffentlicht. Lange musste man darauf warten, tröstete sich mit den zahlreichen Remixen für Franz Ferdinand, Wolf Gang, Wild Beasts, Clock Opera oder mit Aluna George. Bekannt durch sein eigenes Label Super, die wiederum dort Ihr Debüt veröffentlichen durfte. Seine eigene neue und aktuelle Single ‚ Build Me Up ‚ ist ein ansteckendes elektronisches Liebeslied und verkörpert wundervoll die musikalische Kunst von Benjamin Stefanski. Zugleich verbindet er damit seine filmische Komponente und erzählte erst kürzlich: „Musik ist sehr visuell für mich. Oft schwirren beim Musikhören oder- machen viele Bilder in meinem Kopf herum. Und umgekehrt entstehen manche musikalische Ideen, wenn ich Dinge betrachte oder Zeuge von besonderen Ereignissen bin.“ Das eröffnende Stück ‚ Undertow ‚ grummelt dann aus tiefster Tiefe zu uns herauf, ein stimmungsvoller Bass beschwört introspektive Schwingungen und ansteigende Chöre durchdringen einen dichten Nebel aus Synths und verschrobenen Hip-Hop-Beats, bis plötzlich im vierten Stück ‚ Gagging Order ‚ ein stilistischer Wechsel vollzogen wird. Hier erleben wir zappelnde Sounds, ein ominöses Klavier, juckende Beats und verzerrte Vocal-Samples. ‚ One Track Mind ‚ zeigt uns dann das angeborene Verständnis von Sequenzierung und durchfließenden Rhythmen, während Raffertie gleichzeitig den Weg für eine leichte Veränderung in Richtung der zweiten Albumhälfte einfädelt. ‚ Last Train Home ‚ könnte in den ersten Sekunden auch der perfekte Soundtrack für diese im Titel genannte Location sein. Es umkreisen uns intensive Beschwörungen, Stimmen durchwandern die nervösen Hirnwindungen und trotz der beklemmenden Atmosphäre spüren wir deutlich die elektronischen Experimente in Ihrer wärmenden organischen Innigkeit. Überhaupt erinnert auch vieles durch die brummenden Bässe, arpeggierten Gitarren und tiefen Gesänge an das letzte Album von The XX. Bestes Beispiel wäre dafür wohl ‚ Known ‚. Wundervoll. ‚ Window Out ‚ ist der Blick aus dem Fenster. Es regnet. Die Tropfen prasseln an die Fensterscheibe, während die Glocke am Kirchturm dort oben gerade die letzten Augenblicke des Tages verklingen lässt. Es ist stockfinster – die perfekte Ausgangsposition für morbide Sounds und es fehlt schwer, hier nur einen einzigen positiven und hoffnungsvollen Gedanken zu fassen. Insgesamt ist ‚ Sleep Of Reason ‚ zwar ein unebenes, dafür aber umso fesselnderes Album geworden. Raffertie zeigt sein gesamtes Talent und einzig durch die teilweise zerfahrene Zusammensetzung innerhalb der Platte bleibt Ihm vorerst der Ruf als wahrer Pionier auf seinem Gebiet verwährt. Trotzdem hätte sich wohl sein Label Ninja Tune in diesem Jahr nichts besseres wünschen können, als einen der am höchst gehandelten Künstler der elektronischen Szene unter das eigene Dach zu stellen.

8.0