BLACK SABBATH Never Say Die!
BLACK SABBATH’s NEVER SAY DIE! zeigt eine Band, die sich hörbar neu sortiert, ohne eine klare Linie zu finden. Das achte Studioalbum wirkt heller, beweglicher, zugänglicher, zugleich brüchiger, als würde jeder Song kurz an einem anderen Geländer Halt suchen.
Black Sabbath veröffentlichen mit „Never Say Die!“ ihr achtes Studioalbum, formal in unveränderter Besetzung, doch in einer Produktionsphase, die von Unsicherheit geprägt ist. Man hört keine geschlossene Dramaturgie, eher eine Abfolge von Situationen, die sich gelegentlich berühren und ebenso oft wieder auseinanderlaufen. Das Klangbild wirkt heller und leichter als zuletzt, manchmal beweglich, manchmal fahrig, als sei das Studio weniger ein Raum der Kontrolle als ein Ort des schnellen Festhaltens. Wo „Technical Ecstasy“ noch eine glatte Oberfläche suchte, wirkt „Never Say Die!“ offener, zerstreuter, stellenweise beinahe provisorisch, ohne sich deshalb vollständig zu entwerten.
Schon das Cover deutet diese Verschiebung an: zwei Figuren in schweren Fliegeranzügen, die Gesichter hinter Masken verborgen, der Blick ins Freie technisch gefiltert. Es ist kein klassisches Bedrohungsbild, eher eine Fluchtbewegung in Richtung Höhe, Kälte, Distanz. Entsprechend beginnt „Never Say Die!“ erstaunlich direkt, fast kompakt, als wolle die Band Zugänglichkeit demonstrieren, bevor sie sich wieder verläuft. Das Stück trägt Schwung, doch die Energie hat etwas Unentschlossenes, weil der Drive nicht in einen zwingenden Sog mündet. „Johnny Blade“ öffnet das Feld weiter, Keyboards treten auffällig ins Bild, als suche man Anschluss an gegenwärtige Rockformen, die außerhalb des Sabbath-Kerns liegen. Diese Öffnung wirkt reizvoll, zugleich verrät sie, wie wenig geschlossen das Material zusammenhält.
„Junior’s Eyes“ gehört zu den Momenten, in denen sich Erschöpfung und Ernst stärker bündeln. Der Song wirkt nach innen gekehrt, als würde er Trauer oder Müdigkeit nicht dramatisieren, sondern einfach stehen lassen. Gerade dadurch entsteht eine Spannung, die weniger mit klassischer Schwere zu tun hat als mit einer Art emotionaler Leerstelle. „A Hard Road“ kippt danach in einen fast heiteren Hardrock-Gestus, singbar, unkompliziert, in seiner Länge jedoch unerquicklich, weil die Idee nicht weitergeführt wird. Diese Uneinheitlichkeit setzt sich fort. „Shock Wave“ versucht, den Motor wieder anzuziehen, findet aber keinen zwingenden Fokus, weil Textgesten und musikalische Bewegung nicht sauber ineinandergreifen. „Air Dance“ zeigt die Band als Suchende: zunächst leichtfüßig, dann abdriftend in jazzige Farben, Klavier und Bläserdeutungen, die mehr zeigen als bündeln.
Besonders deutlich wird die brüchige Produktionslage im instrumentalen „Breakout“, das mit Bläsern und einer fast fremden Körperlichkeit in den Albumkontext hineinstolpert. Es ist ein Experiment, das weniger als bewusster Kontrast wirkt, sondern wie ein Reststück aus einer anderen Sitzung. „Over to You“ bleibt als Rocksong greifbar, ohne wirklich zu haften, als hätte man die Konturen zu früh stehen lassen. „Swinging the Chain“, von Bill Ward gesungen, führt in einen bluesigen Ausklang, der nicht triumphiert, nicht zusammenfasst, eher abblendet. Genau darin liegt die eigentümliche Wahrheit dieses Albums: Black Sabbath präsentieren 1978 kein geschlossenes Statement, sondern ein Dokument der Orientierungslosigkeit, das zugänglicher geworden ist, weil es weniger kontrolliert wirkt. „Never Say Die!“ bleibt ein widersprüchlicher, stellenweise reizvoller Versuch, dessen stärkste Momente aus Instabilität entstehen, nicht aus Verdichtung, und der am Ende eher ein offenes Bündel als ein Kern ist.
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