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CATE LE BON Me Oh My

2009

Zwischen walischem Psych-Folk, dunkler Symbolik und gespenstischen Synths: warum CATE LE BON’s Debüt ME OH MY eine schiefe Schönheit entfaltet, die Nico, Gruff Rhys und 1970er-Welsh-Rare-Beats in ein neues, unruhiges Licht taucht.

„Me Oh My“ ist mehr als nur ein erster Wurf, es ist eine stille Kampfansage. Cate Le Bon hatte sich bereits als Stimme auf Gruff Rhys’ Neon-Neon-Projekt „I Lust U“ in das Bewusstsein eingeschrieben, bevor sie sich mit ihrem eigenen Werk nach vorn wagt. Im Vergleich zu dieser elektronischen Slippery-Soul-Geste klingen die zehn Songs ihres Debüts wie verschneite walisische Täler, in denen jemand mit Fackel durch ein verfallenes Herrenhaus streift. Die musikalischen Ahnen – von Meic Stevens über Gorky’s Zygotic Mynci bis zu Catatonia – schimmern, doch Le Bon hebt sie aus der Folklore in ein nervöses Jetzt. 

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Sie singt „I fought the night and the night fought me“ im Titelsong mit einer Kühle, die zugleich an Nico erinnert und doch von einer eigenen, heiseren Erdigkeit getragen wird. Das Albumcover mit der geisterhaft gebleichten Figur, die ein goldgelbes Ei wie eine Reliquie präsentiert, verstärkt diese Aura: Hier wird etwas zerbrechlich Geheimes in der Hand gehalten, nicht ausgestellt. „Sad Sad Feet“ entpuppt sich als trügerisch zartes Juwel, sein Refrain „Baby, I’m headed for the black“ wirkt wie ein fahles Echo von Velvet Underground’s „Pale Blue Eyes“, während „Shoeing the Bones“ Neil Young’s Krisenpoesie streift und „Terror of the Man“ beinahe sabbathartige Gitarrenfurchen in den Boden zieht. 

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Le Bon’s Stimme schwebt nicht über den Songs, sondern streicht an ihnen entlang, tastend, manchmal schief, nie schmeichelnd. „Burn Until the End“ mit seinem späten Noise-Ausbruch deutet an, dass in dieser Musikerin mehr steckt als pastoral verschrobene Balladen. Doch gerade weil Hooks fehlen und Songdramaturgien oft nur andeutungsweise aufgebaut sind, bleibt „Me Oh My“ ein Album der Versprechen und Widersprüche. Gruff Rhys’ Irony-Bored-Label bietet der Künstlerin zwar Schutzraum, aber kein Korsett. Die so entstehende Mischung aus wyrd folk, dekonstruierter Prog-Ästhetik und introvertierter Lyrik macht das Album sperrig und faszinierend zugleich. 

Cate Le Bon singt sich hier nicht in Gefälligkeit hinein, sondern zeichnet eine Welt, die nach mehreren Durchgängen erst zu leuchten beginnt.

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78
illustration
2009
Me Oh My
DU -0304- GG

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

körpe‍r
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