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MEGHAN TRAINOR The Love Train

2021

MEGHAN TRAINOR’s THE LOVE TRAIN: Zwischen ABBA-Glanz, Doo-Wop und Familienduett wird aus verschobenen Albumplänen eine Pop-EP voller Ohrwurm-Lovesongs.

Meghan Trainor hat ihr drittes Studioalbum verschoben, die Preorder verschwand, „Treat Myself“ blieb TBA. Statt Funkstille rollt „The Love Train“ ein: sechs Stücke als kondensiertes Kapitel einer sehr öffentlichen Liebesgeschichte, geschrieben in der Phase zwischen Verlobung und Hochzeit mit Daryl Sabara. Es wirkt wie ein Tagebuch ohne Geheimtinte, denn Trainor zeigt genau jene Qualitäten, die sie seit „All About That Bass“ definieren: Retro-Pop, klare Hooks, wenig kryptische Zeilen, viel Direktheit. „All The Ways“ eröffnet mit 80er-Schimmer, dezent im Beat, deutlich in der Ansage: „If you love me, love me, love me like you say / Darling, tell me all the ways“. Dieses Bedürfnis nach Detail, nach Bestätigung per Text, Call, E-Mail wird zum Motor für einen Refrain, der umarmt statt bedrängt.

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„Marry Me“ notiert das Gelübde auf Ukulele, geschrieben nach einem Monat Beziehung, später der Einzugssong zum Altar. Keine Posen, keine Tortenmetaphorik nötig, nur die Zeile „I don’t need a cake, a fancy wedding’s not for me“ und eine Stimme, die bewusst zart bleibt. Wer auf das große Popfeuer wartet, bekommt es in „I’m Down“: ABBA-Glitter über ein Tanzflächen-Fundament, ein Refrain mit Hochzeits-Reflex, der sich sofort in Kopf und Beine setzt. „After You“ zieht die Beleuchtung herunter, Piano statt Funk, eine Ballade in John-Legend-Nähe, deren Treueschwur nicht pathetisch wirkt, weil Trainor die Formulierung nüchtern hält: Sehnsucht ohne Kitschschock.

„Foolish“ hebt wieder ab, flirtet mit Funk, tanzt das Klischee offensiv weg. Die Hook zitiert klassisch: „They say that fools rush in, but I, oh, I / I wanna be foolish with you“. Dazu ein subtiles Augenzwinkern, das im Video sogar in privates Hochzeitsmaterial kippt. Den Schluss kuratiert sie als Mini-Familienmoment: „Good Mornin’“ mit Vater Gary am Klavier, leicht gospelnder Groove, ein Chorus, der wie die Credits eines Wohlfühlfilms funktioniert: „Good mornin’, good mornin’ / Oh, I need some of your sweet loving“. Die Produktion bleibt insgesamt „safe“, nie experimentell, dafür kompakt, radiohell, genauer dosiert als auf „Thank You“.

Das Cover rahmt diese Erzählung sichtbar: ein puderrosa Hintergrund, Trainor im irisierenden, fast perlmuttschimmernden Kleid, Blick frontal, Haare wie ein Schleier im Fahrtwind. Kein Konzeptmysterium, eher Einladung. Diese Oberfläche spiegelt die Songs: offen, zugewandt, detailverliebt im Glanz, weniger im Bruch. Wer nach Abgründen sucht, wird höchstens im Kontrast fündig, denn die EP dokumentiert das Hochgefühl ohne Gegenrede. Als Zwischenstopp vor „Treat Myself“ wirkt „The Love Train“ erstaunlich geschlossen, kurz, bündig, verliebt in Melodie – damit überzeugend in genau der Disziplin, die Trainor groß macht: Hookwriting als freundliche Wissenschaft.

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Meghan Trainor vor puderrosa Hintergrund im irisierenden Kleid, Albumtitel „The Love Train“ in Pink, Blick frontal, langes blondes Haar.

Meghan Trainor – The Love Train

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64
portrait
2021
The Love Train
LF -0382- PR

Dieses Album ist innerhalb seiner Stimmung platziert und bewertet. Die folgende Auswahl zeigt Titel derselben Stimmung, die im Ranking darüber oder darunter liegen. Sie dient der Einordnung, nicht der Empfehlung.

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