Warum Catherine Anne Davies mit THE ANCHORESS das Format der Coverversion seziert und popkulturelle Klassiker in kühle Klangskulpturen verwandelt. Auf VERSIONS wird die Demontage fremder Songs zur ästhetischen Notwendigkeit erklärt. Es entsteht ein faszinierendes Spiel mit Maskerade und musikalischer Anatomie.
Auf dem Vorgänger „The Art Of Losing“ dominierte die eigene Autorschaft als Kontrollinstanz. Nun wendet sich Catherine Anne Davies unter dem Namen The Anchoress fremdem Material zu, um ebenjene Kontrolle über die Aneignung fremder Symbole auf die Spitze zu treiben. Das Werk verweigert sich dem bloßen Nachspielen. Die Fremdtexte werden als seismografische Dokumente emotionaler Isolierung neu strukturiert.
Die visuelle Inszenierung unterstützt diese Distanzierung. Das Porträt auf dem Albumcover mit der historischen Spitzenkrause um das Porzellangesicht fungiert als ästhetisches Schutzschild. Es inszeniert Authentizität als kalkulierte Maskerade und markiert den Bruch zwischen historischer Pose und der unnachgiebigen Sektion des Songmaterials. In „Enjoy The Silence“ verschiebt Davies die Zeile „Words are very unnecessary / They can only do harm“ von der ursprünglichen Pop-Melancholie in eine kühle Isolation. Sprachverweigerung erscheint hier als schmerzhafter Selbsterhalt. In „These Days“ verdeutlicht das Zitat „It’s just that I’ve been losing for so long“ das übergeordnete Motiv der zeitlichen Ausweglosigkeit, welches das Arrangement durchzieht.
Unterstützt durch Multi-Instrumentalist Charlie Cawood entwirft Davies ein Klangnetz aus Mellotron, analogen Synthesizern und Akustikgitarren. In „Bizarre Love Triangle“ schichten sich die Instrumente zu einer vielschichtigen Wand auf. „This Is Yesterday“ verliert jegliche nostalgische Milde; die Zeile „Houses as ruins and garden as weeds“ zeigt die Verwandlung von Erinnerung in Trümmerlandschaften. In „The Tradition“ verwandelt sich die Vorlage in eine kühle Anklage gegen gesellschaftliche Abwertungsmechanismen.
„Versions“ verschiebt das künstlerische Koordinatensystem von The Anchoress von der autobiografisch zentrierten Narrative hin zu einer analytischen Methodik der Aneignung. War die Diskografie bislang von der unmittelbaren Verarbeitung persönlicher Themen geprägt, funktioniert diese Arbeit als systematische Demontage popkultureller Fremdkörper.
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