Finsterer Metallic Hardcore ohne Kompromisse: HEALING WOUND schaffen auf ihrem Debütalbum BODIES OF HEAVENLY VIOLENCE eine Beklemmung, die lange nachhallt und tief verstört.
Das erste Geräusch ist kein Akkord, sondern ein Störsignal. Ein ungemütliches Feedback, das die Saiten vibrieren lässt, ehe das Schlagzeug in verheerender Frequenz einbricht. Wayne Adams hat im BearBitesHorse Studio genau diese Rohheit im Tieftonbereich eingefangen. Die tief gestimmte Bassgitarre schiebt das Fundament vor sich her, während die Produktion von Brad Boatright (Audiosiege) den Mitten jeden Raum nimmt. Es ist dieser trockene, fast schon feindselige Mix, der uns von der ersten Sekunde an bedrängt.
Healing Wound verweigern sich auf ihrem Debütalbum “Bodies of Heavenly Violence” jeder gefälligen Dynamik. Im Opener “Purging Visions” wird die Aggression nicht langsam aufgebaut, sie existiert bereits im Höchstmaß. Das illustrierte Covergemälde von Joey Pearson – eine verhüllte Figur, die ein abgeschlagenes, blutendes Haupt wie ein Relikt umfasst – inszeniert genau diese theatralische Entfremdung, die auch im Sound angelegt ist. Es wirkt wie die visuelle Überhöhung einer Entmenschlichung, die sich durch das gesamte Songmaterial zieht. Die Trennung zwischen Täter und Opfer löst sich im spürbaren Schmerz auf.
Auf der vorherigen EP “Failure Will Make Serpents Of Us All” behielt die Band aus Brighton noch die klassischen Muster des Hardcore Punk bei, um Rhythmuswechsel als Ventil zu nutzen. Auf dem Album dient der Bass von Dudley nun als primäres Instrument der Komposition. Die Songs entstanden nicht aus Riffs, sondern aus rhythmischen und tiefen Frequenzen. In “Obelisk of Grief” bricht diese Architektur brutal hervor. Sänger Harry Huntington brüllt über einen zähen Sludge-Gitarrenteppich hinweg.
Statt flüchtiger Parolen richtet sich der Text nach innen. “Obelisk of Grief” behandelt das schleichende Entfremden zweier Menschen, die einander einst nahestanden und sich nun wie Fremde gegenüberstehen. Die Zeile beschreibt dieses emotionale Verstummen präzise: „Two people effectively becoming strangers again.“ Huntington spuckt die Vokale aus, ohne dass der Text je zur bloßen Bebilderung verkommt; die Worte sind das strukturelle Skelett des Stücks. Die Schlagzeugarbeit von Max Colley, inspiriert von frühem Screamo, hält die Rhythmen in ständiger Unruhe.
In “Flesh Ridden” schlägt die Atmosphäre kurz um, ehe schnelle Blastbeats das Fundament zertrümmern. Der Tracks “Fear of Silence” tastet sich mit zähflüssigen Doom-Anleihen voran, bietet jedoch kaum Orientierung. Am Ende löst “Trail of Human Wreckage” das Chaos nicht auf, sondern lässt das Album schlicht im Rauschen verlöschen.
Mit “Bodies of Heavenly Violence” vollziehen Healing Wound den Schritt vom rohen Formexperiment zu einer geschlossenen, ästhetisch verdichteten Positionierung innerhalb der britischen Extrem-Musik-Szene. Die verbleibenden Hardcore-Strukturen der Frühphase wurden konsequent zugunsten einer zermürbenden klanglichen Schwere aufgelöst. Das Album etabliert die Band als eigenständige Kraft, die aus der Reibung zwischen Sludge, Screamo und metallischer Härte eine verbleibende Verzweiflung formt.
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