Eine schwebende Sehnsucht durchdringt das transatlantische Klanggewebe auf diesem ambitionierten Debütwerk. Das Projekt MAMA TERRA inszeniert ein kontrolliertes Zusammenspiel aus Spiritual Jazz und Soul-Wurzeln. Die Musik bewegt sich elegant zwischen New Yorker Härte und schottischer Melancholie.
Die Entscheidung, die Rhythmusgruppe des Debütalbums gezielt in den Orangefish Studios in Brooklyn direkt auf analoges Band einspielen zu lassen, markiert eine programmatische Setzung für das Projekt Mama Terra. Die schottischen Bandleader Marco Cafolla und Konrad Wiszniewski entziehen sich dadurch bewusst der rein lokalen Verortung. Anstatt die eigene europäische Jazztradition zu isolieren, suchen sie die Konfrontation mit der klanglichen Textur der New Yorker Szene. Durch die Einbindung von Derek Neivergelt am Kontrabass und Evan Pazner am Schlagzeug entsteht ein rhythmisches Fundament, das historische Referenzen des Spiritual Jazz eher zitiert als neu erfindet.
Das Albumcover untermauert diese Ambivalenz zwischen ländlicher Authentizität und künstlicher Konstruktion, indem es die Musiker inmitten einer erdigen, von Bäumen geprägten Naturkulisse zeigt, während eine stark stalisierte, geometrische Typografie das Bild zerschneidet. Dieser visuelle Bruch verdeutlicht die Kluft zwischen dem organischen Anspruch und der tatsächlichen, digitalen File-Sharing-Realität der Produktion. In Stücken wie „Ruptura“ wird dieses Prinzip hörbar, wenn der klassische Sechziger-Jahre-Swing nach knapp einer Minute durch die eruptive Saxofonlinie Wiszniewskis aufgebrochen wird. Die Gastbeiträge des Trompeters Jeremy Pelt in „The Summoned“ festigen die New Yorker Verankerung, während die Vokalistin Rachel Lightbody in Glasgow eine schwebende Gegenmelodie einsingt.
Diese strategische Raumaufteilung beeinflusst die atmosphärische Dichte erheblich. In „Radio Silence“ übersetzt Cafolla die Erfahrung der Isolation in oszillierende Klavierfiguren, die von komplexen Rhythmusmustern getragen werden. Anstatt eine rein kathartische Befreiung zu inszenieren, verbleibt die Komposition in einer meditativen Schleife. Das Stück „Last Hour“ nutzt die Lyrics argumentativ als apokalyptische Mahnung und Hoffnungsträger gleichermaßen: „how we should kick back, enjoy the meteor shower/ wash us away, dance in the rain“. Hier zeigt sich die ästhetische Konsequenz dieses transnationalen Konzepts, das stilistische Einflüsse von den Coltranes bis zu modernem Soul fusioniert, ohne die historische Distanz zu leugnen.
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