Lydia Daher – Flüchtige Bürger

Die Veröffentlichung ihres Debüts hat Lydia Daher schon mit Bravour hinter sich gebracht, nun erscheint am 15. Oktober das zweite Album der Augsburger Lyrikerin und Musikerin. Veröffentlicht wird es ebenso wie ihr selbstbetitelten Debüt auf dem renommierten Label Trikont. Die erste und namensgebende Single ‘ Flüchtige Bürger ‘ ist bereits im Vorfeld als kostenloser Download erschienen und überzeugte mit einem drückenden Bass, abgehackt klingenden Gitarren und dem typischen Gesang von Lydia Daher. Wieder erspart uns die gebürtige Berlinerin peinliche Poesie und verführt uns mit Ihren Texten zu einem neuerlichen Gedankenweg durch einladende Szenarien mit auftürmender Größe, der richtigen Beleuchtung und einem Gefühl, welches uns mit angenehmer Wärme umhüllt. Das Eröffnungsstück ‚ Auf Augenhöhe Mit Der Welt ‚ ist dagegen eine lockere Nummer, „Wo unecht echt wird / wird Widerstand zur Pflicht / ich verlang‘ ja nicht mehr / als ein wahres Gesicht“, und auch ‚ Licht/Test ‚ hüpft gelassen durch intelligente Strophen, begeistert gekonnt zwischen Pop und Poesie. Geboren 1980, Tochter eines Libanesen und einer Deutschen, hat übrigens nacheinander einen bereits vergriffenen Gedichtband („Beirut Blues“) und einen Gedichtband mit Leseproben auf CD („Kein Tamtam für diesen Tag“) vorgelegt. Sie liebt es zu schreiben und noch vielmehr, die gesammelten Zeilen Ihrer Lebens-Beobachtungen, „Manche können Geister seh’n / andere haben selber keine“, in bedeutsame Strophen zu schneidern. Lydia Daher und Ihre Band liefert ein ansehnliches Zweitlingswerk ab, tingelt zwischen Kritik an der Konsumgesellschaft und beginnt derweilen schonmal eine Romanze mit den Worten, „Ich und du – schubidu – ich bin Yoga, du Kung Fu“. ‚ Flüchtige Bürger ‚ lebt insgesamt natürlich von den tragfähigen Texten, die Melodie dient dabei lediglich als nette Hintergrunduntermalung und schiebt sich nur selten wie im Stück ‚ Komm Schon ‚ mehr unter die hellen Strahler. Schlussendlich benötigt es auch nicht mehr, immerhin sind wir „flüchtige Bürger in statischen Städten. Wir können uns nicht helfen, wir können uns nur retten“. Oder ausnahmsweise lassen wir uns dieses eine Mal von Lydia Daher und Ihren bezaubernden Geschichten retten.