The Pierces – You & I

Was haben schöne und singende Mädchen an sich? Ihre Musik ist in der Regel sehr durchschnittlich. Und das soll an dieser Stelle weder ein Klischee sein, noch ein oberflächliches Vorurteil. Doch gilt selbes auch für die etwas älteren Frauen, in diesem Fall Catherine Pierce (33) and Allison Pierce (35) mit Bandnamen The Pierces? Zumindest der unaufhaltsame Aufstieg der Soft-Rock Musik wird auch mit dem vierten Album ‚ You & I ‚ anhalten, wenngleich einmal mehr die Strukturen geglättet wurden. Dafür reiben sich The Piercies nur gelegentlich an der anschmiegsamen Oberfläche des schnellen Erfolges, wie im Stück ‚ Love You More ‚, welches schamlos nach einer überteuerten und glanzlosen Studioproduktion klingt, und verdanken das der hohen und gleichbleibenden hohen Qualität des Songwritings. Der Opener ist eine herrlich luftige Single und glücklicherweise keine einmalige Affäre.

Denn ‚ You & I ‚ besteht aus einer konsequenten und starken Kollektion mit üppigen, vollen Arrangements und vielen heißen Drei-Minuten-Melodramen. In einem kürzlichen Interview erzählte Catherine Pierce, dass viele ihrer Songs von ihrem Ex-Verlobten handeln, Albert Hammond Jr von den Strokes. Uns soll es recht sein, solange Stücke wie ‚ You’ll Be Mine ‚ mit solchen mystischen Gitarrenmelodien, pochenden Trommeln und geschickten Gitarren Akkorden unsere Ohren verzaubern. Leider überzeugt Text und Gesang nur auf durchschnittlicher Ebene, sie sind weder ausgesprochen kreativ noch einzigartig. Es mangelt an Metaphern oder anderen poetischen Techniken. Es gibt die standardisierten Reime – wenngleich diese oftmals Emotionen unkompliziert auf den Punkt bringen. Die 60er Jahre erwarten uns in dem ansteckenden ‚ Glorious ‚ mit der fröhlichen und altmodischen Hippie-Langeweile: „God bless the world, it’s so glorious“.

‚ The Good Samaritan ‚, ‚ We Are Stars ‚ und ‚ Space And Time ‚ basteln Text und Musik wie Puzzleteile zueinander. Catherine und Allison haben natürlich beide unglaubliche Stimmen, egal ob im Studio oder live auf der Bühne. Catherine ist dabei eine Sopranistin und Allison ist eine Mezzosopranistin. The Pierces verstehen Ihr stimmliches Handwerk und fügen sich perfekt zusammen. Dennoch lebt das Album durch den Song ‚ You’ll Be Mine ‚ und erinnert, müsste man Vergleiche heranziehen, an Ingrid Michaelson oder an A Fine Frenzy. Vieles wird man darauf lieben, nur manches hassen und ich für meinen Teil würde mir ‚ You & I ‚ erneut kaufen – sollte ich die Platte einmal verlieren…

7.5