The Vaccines – Come Of Age

“Even though we feel we’re a great band, I definitely feel like we’re on a journey and we’re not as good as we should be and hopefully one day will be. And it just feels like the next step in that direction,” so die Worte von Sänger Justin Young. Und diese Selbsteinschätzung ist absolut treffend formuliert. Denn das zweite Album ‚ Come Of Age ‚ ist tatsächlich das berühmte Übergangsalbum und zeigt glanzvolle Momente ebenso, wie dahinstolpernde Überbrückungen und Enttäuschungen – die sich aber glücklicherweise sehr im Rahmen halten. Produziert haben Justin Young (Gitarre, Gesang), Árni Hjörvar (Bass), Freddie Cowan (Gitarre) und Pete Robertson (Schlagzeug) die elf Songs unter der Regie von Ethan Johns (Kings of Leon, Ryan Adams, Laura Marling) in den Brüsseler ICP Studios und in der Distillery in Bath.

The Vaccines beginnen auf Ihrer neuen Platte mit der Single ‚ No Hope ‚ und brechen damit in den ersten Sekunden direkt in ‚ Brainstorm ‚ der Arctic Monkeys ein. Im Anschluss tauchen die Arrangements in charakterliche Tiefen, offenbaren größere Räume und Weitsichtigkeiten, als es zum Beispiel noch auf dem Debüt der Fall war und setzen damit zugleich den richtigen Ohrwurm in die Gehörgänge fest – der sich auch durch die folgende Nummer ‚ I Always Knew ‚ nicht lösen wird. Es ist ein nostalgisches und träumerisches Liebeslied. Die Strukturen so simpel wie effektiv, die Verse stammen von Robertson und erfassen mit dem dritten Stück ‚ Teenage Icon ‚ eine abwechslungsreiche Klanglandschaft, wenngleich ‚ Teenage Icon ‚ dann doch sehr nach dem Debüt klingt. Aber auf den Bühnen definitiv ein echter Ankommer. 

“I don’t think there’s any danger of us making the same record twice. But I think anything people found attractive about us the first time round has been retained. I’m really confident we’ve got the balance right,” so Young. Auch damit hat er weitläufig recht behalten. Denn was nicht zündet, dass enttäuscht meist in Belanglosigkeiten. So zum Beispiel auch ‚ All In Vein ‚, ‚ Aftershave Ocean ‚ und ‚ Weirdo ‚. Besonders um das letzte Stück ist es Schade, da man ständig das Gefühl hat es will mehr – doch es will einfach nicht reichen. Generell schwächelt die zweite Albumhälfte ganz ordentlich und so nochmals die Rolle rückwärts zu ‚ Ghost Town ‚, denn hier rumpeln The Vaccines durch eine baufällige Geisterbahn, lassen den Bass morsche Holzlatten brechen und verlieren dabei niemals den stimmungsvollen Groove. Ein Song für hemmungslose Tanzorgien!

Was einen dafür dann in der angesprochenen zweiten Albumhälfte unmittelbar ins Gesicht springen wird, sind die beiden Songs ‚ Bad Moon ‚ und ‚ Change Of Heart Pt. 2 ‚. Ersteres besticht durch ungemein stachelige Punk-Riffs, bissige Rhythmen und knurrenden Melodien. Bei ‚ Change Of Heart Pt. 2 ‚ drängt sich erstmal die Frage auf, wo verdammt nochmal ist Pt. 1 geblieben? Aber was soll’s. Ein äußerst angenehmer Song über die verlorene Romantik, der ohne grüblerische Gedanken völlig unbekümmert einen willkürlichen Startpunkt wählt und anschließend seine Geschichte erzählt. Danach ist der Song zu Ende und irgendwie auch die Platte. Zwar überrascht ‚ I Wish I Was A Girl ‚ noch mit einer überraschenden Pointe und auch das abschließende ‚ Lonely World ‚ kreiert eine schöne Stimmung – doch den Vaccines sind in dieser Beziehung bereits bessere Stücke gelungen.

Womöglich wäre eine längere Wartezeit bis zum zweiten Werk besser gewesen, aber The Vaccines befinden sich ohne Zweifel auf dem richtigen Weg, finden auf ‚ Come Of Age ‚ einige brillante Momente und die Platte sicherlich schon bald das Regal zwischen den Arctic Monkeys und den Strokes.