The Naked And Famous – In Rolling Waves

Es war ein mutiger Schritt, den The Naked and Famous rückblickend nach den letzten vier Jahren genommen haben. Nach der erfolgreichen Veröffentlichung ‚ Passive Me, Aggressive You ‚ aus dem Jahr 2010, der weltweiten Tournee und der über eine halbe Million verkaufter Platten hätte die Gruppe aus Neuseeland auch einen ganz anderen Weg einschlagen können. Er lag so wundervoll direkt vor Ihren Füßen, die großen Hallen leuchteten in verführerischen Farben und wollten erneut die infektiösen Haken und glitzernden Pop-Melodien auf Ihre Tanzflächen zaubern. Aber The Naked and Famous hatten wie MGMT andere Pläne. Man wollte sich von diesen musikalischen Tendenzen distanzieren, sich in eine andere Richtung bewegen, sich profilieren und in melancholische Sound-Landschaften eintauchen. Und deshalb sieht der Hörer nun auf dem zweiten Album ‚ In Rolling Waves ‚ den großen elektronischen Horizont und dahinter eine verschworene Gemeinschaft aus fünf Personen. Zusammen sitzen wir nicht mehr in der strahlenden Sonne, sondern bei einem Lagerfeuer unter dem Blechdach, während der warme Regenschauer am Himmel über unsere Köpfe zieht.

Es braucht dazu keinen Höhepunkt, keine herausstechenden Merkmale, es reichen die old-school-Synthesizer aus dem Keller und akustische Elemente als Erweiterung der eigenen Palette. The Naked and Famous beginnen in ‚ A Stillness ‚ mit diesen Instrumenten, verschleppen das Tempo, spielen direkt mit den einbrechenden Erwartungen der Hörer und gönnen sich gegen Ende doch den triumphalen Marsch durch eine bombastische Soundkulisse. ‚ Hearts Like Ours ‚ ist der Song für die einsamen Herzen. Mit stampfenden Synths und harmonischen Gitarren bewegen sich The Naked and Famous auf einen euphorischen Refrain zu erschaffen mächtige Klänge in Ihrer so typischen Manier. Das gleichnamige Titelstück mit seinem dissonanten Post-Rock und dem geschickten Spiel zwischen den Höhen und Tiefen verkörpert hierbei wohl am Besten die eigenen Ambitionen und erzeugt zugleich ein ebenso großes Endresultat. ‚ The Mess ‚ erinnert durch den Aufbau und den mehrstimmigen Gesängen ein bisschen an ‚ Girls Like You ‚ aus dem Debüt – tut der Spielfreude jedoch keinen Abbruch. Das Ende der Ersten und der Anfang der letzten Hälfte auf ‚ In Rolling Waves ‚ sind dagegen bedeutungslos und auch ‚ I Kill Giants ‚ möchte in den vier Minuten Spielzeit nicht so wirklich aufdrehen.

Leider entsteht dadurch eine gewisse Beliebigkeit, die besonders durch ‚ What We Want ‚ expansiv an negativer Bedeutung gewinnt. The Naked and Famous bekommen glücklicherweise kurz darauf in ‚ We Are Leaving ‚ die Kurve, brechen kompromisslos in äußerst launische Gebiete ein, plündern dort ohne Rücksicht die Träume der letzten Sommernacht und zertrümmern diese unter klagenden Harmonien unter freiem Himmel. Es scheint als wären die letzten Minuten nur das Mittel zum Zweck für diese Übeltat gewesen. Insgesamt ist ‚ In Rolling Waves ‚ nicht mehr so leicht greifbar wie noch das Debüt, jedoch grundlegender in den Akkord-Strukturen und spannender, wenn man letztlich als Hörer in diesen epischen Strudel der Synth-Pop-Entdeckungsreise eintauchen darf.

7.2