The Low Anthem – Oh My God, Charlie Darwin

Eine Stadt in Rhode Island war 2006 Zeuge einer neuen und moralisch agnostischen Erzählung. In Providence entstand The Low Anthem zunächst als Kollaboration zwischen Ben Knox Miller, einem Folk Musiker und Maler des New York Hudson Valley´s und Jeff Prystowsky, einem Jazz Bassist und Baseball Studierenden aus New Jersey. Zusammen spielen Sie seit 2002 in verschiedenen Formationen und gingen dabei von Rock über Electronic zu Klassik. Im November 2007 kam schließlich der Komponist und NASA-Techniker Jocie Adams neu zu The Low Anthem und veröffentlichte mit den anderen Beiden das Debüt ‚ What The Crow Brings ‚ mit dem Produzenten Bon Iver in einer abgelegenen Hütte, auf dem Label Nonesuch Records. Nach zwei Jahren und den Auftritten bei Bonnaroo, Coachella, Newport Folk Festival und Lollapalooza steht also das zweite Werk ‚ Oh My God, Charlie Darwin ‚ in den Läden.

Diesmal stand Produzent Jesse Lauter mit tatkräftiger Hilfe zur Seite und veröffentlichte mit The Low Anthem ein phantastisches Zweitwerk. Manchmal verfärben sich die Songs ins matte, werden kurz darauf eindringlich und jagen hin und wieder kleinen Fährten zu Tom Waits-artigen Stampfen und Brüllen hinterher. Ebenso scheint die Band aus Providence, sehr von Simon & Garfunkel und Bob Dylan inspiriert worden zu sein. Sie verbinden Harmonien, irdischen Blues und Folk Instrumentierungen mit einem hohen Maß an Sympathie für fantasievolle Lieder. Im Gegensatz zu Ihren Kollegen betrachten The Low Anthem zwar ebenso Glauben, Verlust, Zerstörung und Selbstzerstörung in visionären Bildern, doch klingen Ihre Stücke dabei nicht leise oder traurig, sondern werden stets in einer heiteren Verzweiflung verpackt. Es ist überhaupt ein ständiges Vermischen von Tempo, Lautstärke und Instrumentierung zu spüren, aber zu keiner Zeit wirkt dies übertrieben aufdringlich.

Manchmal hätte sich der Hörer aber genau an diesem Punkt ein höheres Maß an Eindringlichkeit gewünscht. Denn während die Texte wunderschön geschrieben wurden und meist die Liebe zum Baseball thematisieren, ist die Musik in der Beziehung nur sporadisch einnehmend. Aber die hymnischen und feierlichen Folk-Nummern können dieses Defizit meist spielerisch aus unseren Köpfen wischen. Denn es bleibt mit ‚ Oh My God, Charlie Darwin ‚ eine ereignisreiche  Reise in die amerikanische Aspekt-Sammlung, die sich verhält, wie der Gewinn des Superbowls auf einem Mississippi Dampfer. Es wäre zu weit gegriffen, die Platte als eine der Besten des Jahres zu betiteln, denn so manche Schwachstellen sind unübersehbar, wie der etwas schwache Einstieg zu ‚ Charlie Darwin ‚, doch bleibt schlussendlich das „hausgemachte“ beständig im Vordergrund und mit dem zweiten Track ‚ To Ohio ‚ ist Ihnen zumindest eines gelungen, was The Low Anthem auch keiner mehr nehmen kann: „Song of the Day“ auf NPR Music.