The Heartbreaks – Funtimes

Sieht und ließt man den Namen The Heartbreaks, formte sich aus meinen Erinnerungen zusätzlich die tragische Figur Johnny Thunders. Dieser trieb damals als Johnny Thunders and the Heartbreakers den Prototyp einer Punk-Band mit Wave-Einschlag voran. Er gründete die Gruppe im Jahr 1975 in New York und  verstab im frühen Alter von 38 Jahren am 23. April 1991 in New Orleans, Louisiana. Um seinen Tod ranken sich viele Gerüchte, viele Glauben es war eine schlichte Überdosis, andere spekulieren über Fremdeinwirkung. Zwölf Jahre später veröffentlichen nun die The Heartbreaks mit einem minimal abgewandelten Namen Ihre Debütplatte ‚ Funtimes ‚ in Deutschland. Und weil hier schon die Geschichte um Johnny Thunders ausführlich behandelt wurde, nun auch gleiches Recht für The Heartbreaks. Und diese Geschichte geht so: Vier Jungendfreunde aus dem beschaulichen Küstenstädtchen Morecambe gründen eine Band. Ein Heartbreak zu sein ist ihre Lebenseinstellung. Britische Girarrenmusik, ein Schuss Adrenalin und selbstbewusste Aussagen wie diese hier zum Beispiel von Sänger Matthew Whitehouse:

„Die Band, in der ich sein möchte, ist die Art Band deren Poster ich mir mit 13 aufgehangen hätte. Und derzeit gibt es niemanden außer uns, der in Frage käme.“ Große Worte einer noch kleinen Band. Ihr eröffnendes Stück ‚ Liar, My Dear ‚ kann das allerdings sogleich belegen, denn klirrende Gitarren, der plötzlich auftauchende und gut platzierte Refrain sprechen mit Ihren unwiderstehlichen Eingängigkeiten schlicht für sich. Von einer atemberaubenden Schönheit umgeben ist auch ‚ Delay Delay ‚  und besonders hier sollte man sich den Namen Ryan Wallace merken. Der Gitarrist gleitet mit seinen Fingern so mühelos über die Saiten wie ein Johnny Marr oder John Squire und setzt sein persönliches Highlight in das Ende der sechsten Nummer ‚ Jealous, Don’t You Know ‚. The Heartbreaks singen sich dabei meist durch die elenden Folgen unerwiderter Liebe, “I’ll be waiting outside the Winter Gardens, feeling slightly worse for wear; if talk of romance thrills you, honey, maybe I’ll see you there?” und “when I’m feeling wistful, I will head down to the shore and dwell on things I know I shouldn’t care for anymore.”

Man hört diesen Geschichten wirklich gerne zu, auch wenn manchmal die sehr pupertierenden Ansichten Überhand nehmen. Doch letztlich zelebriert Sänger Matthew Whitehouse ein unglaubliches, klassisches Songwriting, welches so schmerzlich in den letzten Jahren vermisst wurde. Klare Strukturen und eine kluge Wahrnehmung für den richten Moment lassen ‚ Funtimes ‚ gelegentlich an Morrissey erinnern, doch die Leidenschaft, energiegeladenen Rhythmen und Ihre überschäumenden Instrumentierungen kommen von Herzen. Wortgewandter Gitarren-Pop aus England ist mittlerweile ein seltener Genuss geworden. Das optimistische Debüt der Briten, welches zudem mit atemberaubender Geschwindigkeit durchgespielt wurde, ist dementsprechend ein befreiendes Gefühl und eine allseits lohnende Anschaffung in diesen (noch) kalten Wintertagen.