The Dø – A Mouthful

Sie haben wohl einen der kürzesten Bandnamen überhaupt, wurden in Finnland und Frankreich geboren und nennen sich kurzerhand The Dø. The Dø sind zu Zweit und bestehen aus dem französischen Jazzkomponist Dan Levy, der auch ein intensiver Liebhaber zeitgenössischer Musik ist, und der bezaubernden und unfassbar entzückenden Songwriterin Olivia Merilathi aus Finnland. Der Bandname, wie manche vielleicht schon herausgefunden haben, fasst sich aus den beiden Anfangsbuchstaben zusammen. Ihr Debütalbum wurde bereits Anfang 2008 in Frankreich veröffentlicht und findet nach 200.000 verkauften Platten und drei Auszeichnungen mit dem französischen Echo, nun endlich den Weg zu uns nach Deutschland.

Leider ist das französisch/ finnische Duo letztes Jahr ein wenig untergegangen und das obwohl mit dem Album ‚ A Mouthful ‚ die interessanteste Mischung aus Indie, Anti-Folk, Funk und wundervollen Popmelodien der letzten Jahrzehnte entstanden ist. Funky ist dann auch gleich das passende Wort für den Einstieg in das Debüt von The Dø. Marschmusik und zarte Flötenklänge harmonieren auf ‚ Playground Hustle ‚ in sehr experimenteller Form miteinander. Dazu orientalische Klänge und Kinderstimmen, die zum Ende in einen großen Strudel an bombastischen Synthies hineingezogen werden.

So faszinierend sich die Songs gestalten, so unterhaltsam sind die Übergänge zwischen den einzelnen Stücken. ‚ At Last ‚ ist das exakte Gegenstück zu ‚ Playground Hustle ‚ und beginnt dementsprechend zurückhaltend. Dafür rückt nun die leicht schleifende Stimme von Olivia in den Vordergrund und bietet eine gute Gelegenheit um herauszufinden, ob man dem Gesangsorgan der Finnin freundlich gesonnen ist oder nicht. Denn „Anders“ ist das Schlagwort bei The Dø, nichts ist so wie es auf den ersten Blick erscheint. Leichte Popmelodien wie in ‚ On My Shoulders ‚ verwandeln sich in schräge, eigenartige und manchmal auch extrem schrullige Stücke, die alles andere als eingängig, melodiös, glatt und durchgestylt auf die Öffentlichkeit losgelassen werden.

Aber diese liebenswerte Eigenschaft bestimmt die hervorragenden Qualitäten auf ‚ A Mouthful ‚ und unterstreicht die unendliche Vielfalt der fünfzehn Songs. Gitarren, Geigen, Trommeln, Rasseln und vieles vieles mehr, die nur von der herrlich schief und manchmal verzerrt klingenden Olivia Merilathi übertrumpft werden. Wie gesagt, wer mit dieser lieblich- imposanten Stimme etwas anfangen kann, wird sie in alle Ewigkeit tief ins Herz schließen. Sommerlich warm ist das achte Stück ‚ Tammie ‚ und wieder Teil eines gewagten Übergangs zu ‚ Queen Dot Kong ‚. Im Stile von Lady Sovereign folgt eine kleine Rapeinlage von Olivia und Dan mit monumentalen Trompeten und einer unerschöpflichen Dichte an Rhythmuswechseln. Die kleine Instrumentaleinlage in ‚ Coda ‚ ebnet in einer Sonderstellung den Übergang zu der ruhigen Nummer ‚ Searching Gold ‚.

Schnell und explosiv wird es im Endspurt nochmal mit ‚ Aha ‚. Elektronisch und mit einem Schuss Funk breitet es immer wieder einen Hauch tanzbaren Indierock über uns aus, doch The Dø bleiben konsequent experimentell und spielen auch hier wieder mit der Trickkiste herum. Manchmal ist es ein regelrechtes Stop And Go Verhalten, was das französisch/ schwedische Duo an den Tag legt.

Neben kleineren Schwächen, die in dem gut durch gemischten Farbspektrum aber nicht weiter auffallen, überzeugt vorallendingen das Gesamtkunstwerk als stilsicheres Gebilde voller intelligenter Popmelodien, vorurteilsfreien Genre- Übergreifungen und spektakulären Rhthmuswechseln innerhalb und zwischen den Stücken. Das internationale Projekt mit all seinen Einflüssen hat auf beste Art und Weiße gezündet und sollte mit der Neuveröffentlichung hierzulande, dann auch endlich für die erhoffte Aufmerksamkeit sorgen. Wir drücken die Daumen – natürlich ganz fest, versprochen.

8.7