THE DEARS Life is Beautiful! Life is Beautiful! Life is Beautiful!
THE DEARS feiern auf LIFE IS BEAUTIFUL! LIFE IS BEAUTIFUL! LIFE IS BEAUTIFUL! den Triumph des Überlebens in einer Welt voller Widersprüche: brennende Melancholie verwandelt sich in einen letzten Rest Zuversicht, getragen von Art-Pop, Soul und orchestralem Indie-Rock mit einer fast trotzig humanistischen Geste.
Seit drei Jahrzehnten stehen The Dears für Drama, Pathos und jene existenzielle Romantik, die sich weigert, zu verbittern. Auf „Life is Beautiful! Life is Beautiful! Life is Beautiful!“ gelingt der Band um Murray Lightburn und Natalia Yanchak etwas, das sich wie ein spätes Aufbäumen anfühlt. Wo frühere Alben Trauer in Klang übersetzten, findet dieses neue Werk eine Form von verletzter Dankbarkeit. Es beginnt mit „Gotta Get My Head Right“, einem Song, der das Überleben zur täglichen Übung macht: „Suck it up buttercup / this is just the beginning of what’s to come.“ Aus dieser fast zynischen Selbstansprache wächst ein Stück, das zwischen Hoffnung und Müdigkeit taumelt, getragen von Bläsern, Chorflächen, zerfransten Gitarren. Das ist kein jugendlicher Trotz mehr, sondern die Stimme einer Band, die gelernt hat, wie brüchig Aufrichtigkeit in einem lauten Leben klingt.
Produziert wurde die Platte unter strengem Zeitplan, entstanden in nur einem Monat. Das hört man ihr an. Die Songs wirken komprimiert, manchmal zu glatt, doch diese Strenge bringt auch Klarheit. „Babe, We’ll Find A Way“ bleibt im Ohr, weil es Liebe nicht verklärt, sondern als Notwendigkeit begreift: ein Rest Verbindlichkeit in einer zersplitterten Welt. „Doom Pays“ trägt den Glam-Schatten der Siebziger, „Tears of a Nation“ ruft mit geballter Faust gegen die Müdigkeit des politischen Gewissens an. „Now war is at our doorstep“, singt Lightburn, als wäre er erschrocken über seine eigene Wachheit. Die Bläser sind triumphal, der Gesang bricht ins Falsett, der Beat zittert – alles strebt in Richtung eines ungewissen Lichts. Der Titelsong am Ende bringt diese Ambivalenz auf den Punkt. „Oh life is beautiful tonight“, singt Lightburn, als wisse er, dass der Satz nur in der Nacht Bestand hat.
Neben ihm klingt Yanchak’s Stimme wie eine Beschwörung, zärtlich und fern zugleich. Das Albumcover – ein handgeschriebener Zettel, auf dem der Satz LIFE IS BEAUTIFUL! immer wieder wiederholt wird – wirkt wie das visuelle Echo dieser Musik: ein Mantra, das sich selbst überreden will, während im Hintergrund das Messing einer Lampe schimmert. Schönheit als Behauptung, nicht als Befund. The Dears bleiben sich treu, ohne sich zu wiederholen. Sie streifen die Posen des frühen Art-Pop ab und finden in der Reduktion etwas Unerwartetes: Gelassenheit. Die Produktion mag an manchen Stellen zu sehr glätten, manche Songs verharren im wohlbekannten Dears-Kosmos, doch am Ende bleibt ein Album, das weder trösten will noch provozieren muss.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf erhält MariaStacks eine kleine Provision.
