The Cribs – In The Belly Of The Brazen Bull

Ein Quereinsteiger zu Beginn: drehen wir die neue Platte der Cribs zum achten Stück ‚ Back To The Bolthole ‚ vor und genießen das virtuose Gitarrenspiel, die rhythmischen Wechsel, die zahlreichen Verzierungen, die eindringlichen Lyrics und die hingebungsvolle Aufopferung von Sänger und Bassist Gary Jarman. Die Band aus Wakefield, West Yorkshire, hat sich zu ‚ In the Belly of the Brazen Bull ‚ ein Jahr länger als üblich Zeit genommen, doch dafür ist die mit Produzent David Fridmann produzierte Platte vielleicht sogar eine der Besten, mindestens jedoch die konsequenteste Ausgabe in der Diskographie der Cribs geworden. Nach dem rätselhaften Abgang vom Ex- The Smiths und Modest Mouse Gitarrist Johnny Marr ist Ihnen glücklicherweise (und bereits angesprochene) Virtuosität nicht abhanden gekommen. Aber drehen wir zurück:

‚ Glitters Like Gold ‚ lässt erstmal Gitarren kreischen und Bässe brummen. Kurz darauf bricht aber der typische Sound der Cribs durch und bereits nach wenigen Minuten gibt es eine spürbare Veränderung der Stimmung. Ansonsten relativ unauffällig, wird es dann mit ‚ Come On, Be A No-One ‚ wesentlich konkreter. Ebenso bietet ihre fünfte Veröffentlichung einige Überraschungen und nette Anleihen. „Nobody has to tell me/I know I have to let it go” singt Gary im euphorischen und wahnsinnig eingängigen Stück ‚ Uptight ‚. Ganz anders dagegen das muntere ‚ Chi-Town ‚ mit seinen drei Akkorden und der vollgestopften Erinnerung an die romantische Vergangenheit. Doch so wirklich viel möchte sich bis zu ‚ Back To The Bolthole ‚ nicht mehr ereignen. Und das war schon immer ein kritischer Punkt: Der leichte Mangel an Ehrgeiz.

Nach und nach hat sich diese Eigenschaft in die gesamte Karriere der Band eingeschlichen und hier muss man unweigerlich an düstere Zeiten denken: The Cribs stammen aus der Zeit um die Libertines (aufgelöst und nun verbrauchte Kraft), Razorlight sind unter dem gewaltigen Ego von Jonny Borrell zusammengebrochen und auch die Kaiser Chiefs hatten damals ähnliche Erfolge – doch was ist davon Bitteschön geblieben? The Cribs kennen diese glanzvollen Zeiten aus eigener Erfahrung, als diese Art der Musik kompromisslos von allen geliebt wurde. Nun schlägt das Umfeld schärfere Töne an, der Indie-Rock benötigt ein robusteres Korsett und hier meine ich, setzt es bei dem Trio aus Wakefield einen Schlusspunkt. Dafür reichen die Qualitäten nicht, auch wenn der persönliche Klang immer mal wieder für faszinierende Rückeroberungen sorgen kann.

Aber kann das reichen? Ein sehr treffendes Beispiel dafür wäre zumindest das betörende, ausufernde, kräfteraubende und zugleich zerbrechliche ‚ Stalagmites ‚. Vielseitigkeit auf allen Seiten. Vielleicht sind diese bombastischen Augenblicke schlussendlich das hoffnungsvollste Merkmal, weshalb man die Cribs noch nicht endgültig in der Beliebigkeit englischer Gitarren-Bands versenken sollte.