The Cinematics – Love And Terror

Sie hatten damals schon einen uninspirierten Start, Ihr Debüt A Strange Education ‚ überzeugte nicht unbedingt die geneigten New Wave Fans, waren schließlich die Editors und viele andere um Längen überzeugendere Kopien als The Cinematics. Da hilft es auch nicht, wenn Sie den selben Heimatort wie die Editors haben und erst recht nicht, deren Sound fast lückenlos zu kopieren. Zudem dürfen die Trends nicht ausgelassen werden, die Cinematics stehen daher stylisch perfekt aufgestellt in einer Reihe, Ihr Sänger klingt wie Alan Donhohe der Rakes und die Modeerscheinung schlechthin: Mehr als zehn Tracks sind nicht mehr angesagt. Schließlich bekommt man für einen Langspieler auch nicht mehr das Geld aus früheren Tagen, aus Tagen in denen die Cinematics noch nicht einmal wussten, das Musik reich machen kann. Dafür müssen natürlich die Faktoren stimmen, die Melodien, die Aufmachung und auch der Zeitpunkt. Besonders mit letzterem hatte sich die Band aus Schottland keinen Gefallen getan. Das 21. Jahrhundert war bereit für Post-Punk und New Wave, die freien Stellen wurden allesamt besetzt und die Türen wieder geschlossen.

Die Menschen sind versorgt mit unzähligen Bands dieser Art und viele davon haben herausragende Eigenschaften, wie eben die Editors, Interpol oder die früheren Gruppen The Smiths und Joy Division. Warum also die Cinematics? Sie gehören zu den Bands, die nun vor den verschlossen Türen stehen und trotzdem noch rein wollen. Ihre Instrumente davor schieben und einfach mal anfangen zu spielen. Ob der letzte Funken Hoffnung diese Mühe lohnt? Nun, in seltenen Fällen bestimmt. We Were Promised Jetpacks zum Beispiel, ebenfalls aus Schottland und dem New Wave nicht abgeneigt. Aber für solche Talente bleibt eigentlich auch keine andere Wahl übrig, als Sie schnell durch die aufgebrachte Menge direkt auf die Bühnen zu schicken. Und das macht Sinn. The Cinematics  machen dagegen weniger Sinn. Gefangen im Gefühlskarussell, zwischen Liebe und Aggressionen hämmern Sie uns stumpfsinnig die immer wiederkehrende Akkordfolge an die bröckelnde Fassadenwand. ‚ All These Things ‚ verkörpert die folgenden Songs in Ihrer Struktur, Riffs, Rhythmen und ist generell der Kreislauf für die einheitliche Gesamtheit auf ‚ Love And Terror ‚.

‚ She Talks To The Trees ‚ versucht lässig die Gitarren zu schwingen, das Schlagzeug sucht nervös und unruhig nach der passenden Spur, während ‚ New Mexico ‚ mit schwülstigen Synthies Killers-Atmosphäre in unsere Köpfe projiziert. Schnell spürt man in der Magengegend ein schales Gefühl des Unwohlseins, das auch der annehmbare Titeltrack nicht beseitigen kann. Denn dieser ist überraschend dunkel, einfallsreich und macht Spaß auch öfters gehört zu werden. Doch kratzen die Stücke nur selten unter der leblosen Oberfläche nach Nahrung und schlüpfen lieber in Standard-Rock-Arrangements mit ordentlich viel Butter, als das Sie endlich Ihr spürbares Potenzial ausschöpfen würden. Es ist schade darum, denn die Cinematics, das muss Ihnen zugestanden  werden, hätten eindeutig mehr drauf. Mehr Talent und das Zeug für weniger Fehltritte. Doch die Band aus Glasgow torkelt schon seit Beginn Ihrer Karriere durch zusammenhanglose Stücke und am Ende darf zurecht gefragt werden: Wie lange es die Cinematics wohl in dieser Besetzung noch geben wird.