THE BEATLES Please Please Me
Mit PLEASE PLEASE ME entfacht die junge Vokalgruppe THE BEATLES einen elektrisierenden Aufbruch in der britischen Musikszene – zwischen Tanzrhythmus, Arbeitergeist und neuem Lebensgefühl einer Generation, die sich endlich Gehör verschafft.
Wer in diesen Monaten ein Tanzlokal betritt oder den jungen Sendern der BBC lauscht, spürt: Etwas rührt sich im britischen Musikleben. Und nun liegt mit „Please Please Me“ die erste Langspielplatte der vier jungen Männer aus Liverpool vor – John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr. Eine Vokalgruppe, die man bislang eher aus den Kellern der Arbeiterstadt kannte, bringt hier eine erstaunlich frische Mischung aus Rhythm’n’Blues, Schlagkraft und Sentiment hervor. Schon die eröffnenden Takte von „I Saw Her Standing There“ zünden wie eine Ankündigung: diese Schallplatte meint es ernst. Das Schlagzeug klingt roh, der Bass pumpt mit jugendlichem Übermut, die Stimmen mischen sich zu einem hellen, aufgeregten Klangbild, das an amerikanische Tanzmusik erinnert, doch eine eigentümlich britische Zurückhaltung wahrt.
Man hört den Beatles ihre Herkunft an – keine gelehrten Studiomusiker, sondern Arbeiterjungen, die den Blues aus den Hafenbars kennen. Ihr Rhythmus ist nicht perfekt, doch ihr Eifer ist ansteckend. In „Misery“ und „There’s a Place“ zeigen sie, dass sie mehr wollen als bloße Tanzbegleitung. Diese Lieder tragen Spuren von Melancholie, als säßen zwischen den Takten Erinnerungen an das Grau des Alltags. Dann wieder bricht jubelnde Lebensfreude hervor – „Please Please Me“ etwa, ein Lied, das mit seiner zweistimmigen Dringlichkeit das Bedürfnis nach Nähe fast trotzig ausspricht. Bemerkenswert ist die Spannweite zwischen rauem Überschwang und fast zärtlicher Intimität. McCartney singt „P.S. I Love You“ mit einer Hingabe, die an alte Tanzsaal-Balladen erinnert, während Lennon in „Anna (Go To Him)“ den Ton des amerikanischen Rhythm’n’Blues in eine britische Traurigkeit überführt.
Selbst Ringo Starr darf auf „Boys“ das Schlagzeug beiseitelegen und ans Mikrofon treten, was dem Ganzen eine sympathische Spontaneität verleiht. Produzent George Martin hat diese Energie nicht geglättet, sondern festgehalten, als wäre die Aufnahme ein einziger, langer Atemzug. Am Ende, bei „Twist And Shout“, scheint die Schallplatte fast zu bersten: Lennon’s Stimme kratzt, bricht, flackert – ein Schrei, der zugleich Befreiung und Überforderung verrät. Man spürt darin den Drang einer neuen Generation, sich laut zu machen, ungeachtet der Grenzen des Anstands oder der Technik. „Please Please Me“ ist keine makellose Platte, doch sie klingt nach Aufbruch. Sie riecht nach Rauch, Tanz, Regen und junger Hoffnung.
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