Sophie – Oil Of Every Pearl’s Un-Insides

Die Welten des kommerziellen Pops und der elektronischen Musik sind so zusammengewachsen, wie es sich bei SOPHIE nicht besser widerspiegeln könnte. Man kennt Sophie über die gemeinsame Zusammenarbeit mit Diplo und deren Song „Bitch I’m Madonna“ und auch wenn sie hier die kommerziellen Wege bewanderte, so rein ist auf ihrem ersten richtigen Album „Oil Of Every Pearl’s Un-Insides“ die eigenständige künstlerische Vision. „Infatuation“ ist überraschend launisch, intensiv aber mit seinen Gitarrensynthesizer nie zu schrill. „Pretending“ klingt wie eine Dysphorie – stille Angst, mit wunderschönen Synth-Pads, die durch trübe Effekte und starke Kompression verdeckt werden. „Immaterial“ ist für mich das beste Lied von Sophie überhaupt. „Immaterial girls! / Immaterial boys!“.

Der Übergang von amorphem Rauschen zu schwindelerregendem Gesängen gehört zu den befriedigendsten Momenten des Albums. Mit seinen selbstbejahenden Texten, die durch elastische Pitch-Shifting-Software gejagt wurden, sitzt „Immaterial“ im thematischen Kern des Albums. „Without my jeans or my bra / Without my legs or my hands / With No name and no story / Where do I live? / Tell me where do I exist?“. Richtig anspruchsvoll wird es dann im schwer durchschaubaren Stück „Whole New World / Pretend World“ – die Farbe der Struktur, die blechernden Synths – alles ist so unbequem wie möglich. Für einige mag es aufregend sein, aber für andere wird es sich schlicht übertrieben anfühlen. Für ein Album, das sich grundlegend mit der emotionalen Verbindung befasst, ist der letzte Abschnitt dennoch und unabhängig davon mehr als bewundernswert ausgefallen. Ebenso bleibt das gesamte Album bis zu diesem Schluss bewegend und sehr authentisch und zeigt Sophie als etablierte Künstlerin, die genau weiß was sie tut.

7.7