Son Lux – Bones

Nur wenige Künstler brechen so gerne aus Ihrem bevorzugten Genre aus und verschieben musikalische Formen wie Ryan Lott alias Son Lux. Er ist ein klassisch ausgebildeter Musiker, der auf seinen Reisen durch die musikalischen Klanglandschaften Persönlichkeiten wie Arcade Fire’s Richard Perry, Beyoncé Produzent Boots oder Sufjan Stevens und Rapper Serengeti begegnete. Aber selbst mit diesen namhaften und abwechslungsreichen Kollaborationen, ist Son Lux weitgehend ein bestrebendes Soloprojekt geblieben. Bis jetzt. Für sein viertes Album »Bones« holte er sich Hilfe bei Gitarrist Rafiq Bhatia und Schlagzeuger Ian Chang. Gemeinsam werden die Grenzen um ein weiteres Mal verschoben, Genres mit Leichtigkeit dekonstruiert und anschließend mit neuen Elementen verschmolzen. Chang’s abgehacktes, ruckartiges und rhythmisch verlockendes Spiel am Schlagzeug ist eine perfekte Ergänzung zur verzweifelnden und knisternden Stimme Lott’s. Highlight in diesem Sinne ist »Flight« mit der unerbitterlichen Unregelmäßigkeit. »You Don’t Know Me« ist eine Nummer von Bhatia und prangert die Missachtung der politischen und organisatorischen Unterdrückung an. „I feel you tracing my scars, but you don’t know me“. Der Track ist gespickt mit Art-Dance-Rock und einer völlig unerwarteten Rhythmusunterbrechung durch Andrews Schwester, die hier einen kurzen, aber sehr nachhallenden Gastauftritt hinzaubert. Generell überrascht die Platte beständig. Seien es die hymnischen Chöre in »Change Is Everything«, die vielfältigte Drum-Klangpalette in »White Lies«, oder die dissonante Gitarrenarbeit in dem psychedelisch ausgerichteten »Undone«. »Bones« ist erfinderisch, beunruhigend, imposant, absolut fesselnd und der Schritt in eine andere Dimension.