Simian Mobile Disco – Live

“Your love ain’t fair, your loving girl“, erklingt es zur Eröffnung aus dem brandneuen Livealbum von Simian Mobile Disco. Langsame, ominöse Beats rollen dabei unter einer traurigen Seele hindurch, während sich plötzlich der Übergang darauf vorbereitet, das nächste Stück ‚ A Species Out Of Control ‚ als sirenenartiger Sprudel an die Erdoberfläche zu tragen. Simian Mobile Disco zelebrieren förmlich diese ersten Minuten und schenken uns einen intensiven Einblick in die verschwommenen Pfade zwischen neuen und älteren Stücken, die mal als Reworks von zum Beispiel ‘ Cruel Intentions ’, ‘ Hustler ’ und ‘ It’s The Beat ’ um die Ecken huschen, oder als aufregende Mischung aus präziser Elektronik und tanzbaren Rhythmen für nachhaltige Höhepunkte sorgen. Ihr Live-Album wurde übrigens auf der letzten Tour in Philadelphia aufgenommen. Das dritte Stück ‚ Unfixed ‚ kennt der geneigte Anhänger von der EP ‚ A Form Of Change ‚ aus dem letzten Jahr und da James Ford und Jas Shaw damals noch keinen Grund sahen, den Track auf ‚ Unpatterns ‚ zu platzieren, haben Sie es nun vollbracht, ‚ Unfixed ‚ mit seinen subtilen Modifikationen und teils furchtlosen Manipulation perfekt in die Zusammenstellung einzuflechten. Ein grandioser Höhepunkt. Nicht minder perfekt scheint ‚ Supermoon ‚ zu sein, dass mit schrägen, langezogenen Synths ebenfalls im letzten Jahr seinen Platz auf der ‚ Fabriclive 66 ‚ von Daniel Avery fand. Danach ist es aber aus mit der eher gemächlichen Tanz-Atmosphäre, denn ‚ Cerulean ‚, ‚ It’s The Beat ‚, ‚ Skin Cracker ‚ und ‚ Hustler Jam ‚ setzten mit Ihren faszinierenden Haken, den transzendenten Pop-Sensibilitäten und den hypnotischen Schleifen einen robotisierten Gang in Bewegung – dem man sich als prototypisches Indie-House-Kid nicht entziehen möchte. Erwähnt seien natürlich auch nochmals die genialen Bubblegum-Beats in ‚ Skin Cracker ‚ mit den überschlagenden Rhythmen und dem aufsteigenden Gefühl im eigenen Körper, man könnte jede Sekunde mitten in einem epileptischen Anfall stecken. Wer dagegen mehr auf die geradlinige Fortschreitung steht, ist bei ‚ Aspic ‚ bestens aufgehoben. Und trotzdem schleichen sich auch hier exotische Kuriositäten ein. Aber kein Wunder. ‚ Aspic ‚ ist wie ‚ Skin Cracker ‚ aus dem Album ‚ Delicacies ‚ und sollte damals nur wenige Auserwählte mit abenteuerlichen Gaumen ansprechen. Für ‚ Live ‚ wurden die Harmonien ein wenig angepasst, aber der Charakter blieb glücklicherweise restlos erhalten und so gelangen wir mit ‚ Wooden ‚ ein weiteres Mal zum Anfang Ihrer Karriere als Simian Mobile Disco. Unruhig und unerbittlich kämpft sich der Track über die Tanzfläche und bestimmt durch seine bombastische Intensität den aufgelegten Beat. ‚ Seraphim ‚ ist nach wie vor das Glanzstück in der Diskographie des Duos aus London. Sie ringen den unwahrscheinlichsten Quellen Ihre Seele ab und basteln emotionale Vocal-Samples über den oszillierenden und souligen Synthesizer. Ich bin zwar seit ‚ Music For Men ‚ kein Anhänger der Beth Ditto, doch stimmlich fügt sich die gemeinsame Kollaboration wunderbar ein und es war absolut richtig, die beiden Tracks hintereinander zu stellen. Denn in ‚ Interference ‚ tauchen James Ford und Jas Shaw wieder ab in die Tiefen und pflanzen dort wundersam einfache Tanz-Rhythmen für die Ewigkeit. Kopf abschalten und genießen. Selbriges gilt auch für das hämmernde ‚ Put Your Hands Together ‚, dass mit seinen sieben Minuten Spielzeit vom Minimalismus in komplexe Höhepunkte einbricht und mit deutlichen Nuancen, sowie dem Verzicht auf viszerale Haken, kompositorische Höchstleistung vollbringen mag. Das abschließende Stück ‚ Sleep Deprivation ‚ war der unvergessene musikalische Aufhänger auf dem Urban Art Forms Festival 2011. So muss man sich wandelbare und ästhetische Monotonie in Vollendung vorstellen. Ein zufriedenstellender Abschluss einer vielfältigen musikalischen Reise durch das wegweisende Repertoire von Simian Mobile Disco.