Selena Gomez – Rare

Als die Sängerin 2014 und 2016 ihre ausgedehnten Tourneen absagte und sich auf Erschöpfung und Krankheit berief, es stellte sich heraus, dass sie an Angstzuständen und Depressionen litt, die durch die Autoimmunkrankheit Lupus hervorgerufen wurden, hat die mittlerweile 27jährige Selena Gomez anscheinend einen stabileren Ort erreicht. Für „Rare“, dem dritten Album, wählte Selena als erste Single „Lose You to Love Me“, eine spärliche, auffällige Klavierballade. Und auch nahezu jedes weitere Lied zeigt hier eine Lehre in Selbstliebe und Akzeptanz, Triumph über Härte und Hasser und den scharfen Kritiker in ihr selbst. “Is there a place where I can hide away?”, fragt sie sich in „A Sweeter Place“, bevor sie sich einen solchen Ort vorstellt: „“Out of the scene / Out in the wild … Up in the clouds / Far from the crowds.” Die Poesie ist also nicht die beste, aber der flehende Ton ihrer Stimme, umgeben von verträumten Synthesizern, die teilweise von Kid Cudi produziert wurden, überzeugen, dass sie mehr versucht, als nur Ihren Marktwert zu halten.

In der Tat macht Gomez – die sehr wohl an der Aufrechterhaltung ihres Rufs interessiert ist – eine ungewöhnlich sympathische Figur auf „Rare“, die sie nach Jahren des schlauen, aber unwesentlichen Produkts als Künstlerin mit ausgeprägter Sensibilität und einem klaren Sinn für Kunst gewinnbringend erweitert. Gomez’ Alben funktionieren am besten, wenn sie keinen Trends nachjagen oder offensichtliche Dinge tun, und davon gibt es hier glücklicherweise kaum etwas. Einzig das Havanna-artige „Ring“ fällt diesem speziellen Problem zum Opfer. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sich Gomez jemals an die Spitze des Pops wagt, aber „Rare“ beweist, dass sie, wenn sie starke Songs hat und die Produzenten ein bisschen von der Norm abweichen, gerade genug außerhalb des Mainstreams ist, um frisch zu klingen. 

Man füge noch einige tief empfundene und echte Emotionen hinzu, wie sie es hier tut, und es scheint etwas Besonderes zu sein, vielleicht ihre bisher beste Platte. Wenn es das nicht ist, ist es zumindest ihr bisher interessantestes Album und das sollten Fans der homogenisierten Popszene der Ära feiern.