Screaming Tea Party – Golden Blue

Wie sollte man den Sound der Screaming Tea Party am Besten beschreiben? Es ist schwer und bereitete schon vor zwei Jahren bedenkliche Kopfschmerzen. Denn so komplex und einfach wie die Rhythmen ineinandergreifen und dabei noch Verknüpfungen knapper Melodien und lo-fi Gequengel in Punk und Lärm erschüttern, so auffallend ist der naive und schreiende Gesang von Niyan. Um das ganze Verwirrungsspiel noch zu vervollständigen ist Niyan nicht etwa die Frontfrau der Band, sondern hat Ihren Platz hinter den Drums gefunden. Singen und dazu Gitarre spielen hat Koichi am Bass übernommen und Niiyan ist der Gitarrist der Band, der auch gerne mal gegen Ende der Show mit Gasmaske oder Halstuch vor seinem Mund auf der Bühne steht. Zusammen nennen sie sich selber Screaming Tea Party und stammen ursprünglich aus Tokyo. „Bubblegum Punk-Pop“ aus Japan ist hier aber definitiv nicht zu erwarten. Nach London umgezogen, spielen die drei eine wirklich wilde und abgefahrene Mischung sämtlicher Genres und klingen dabei stets unglaublich konsequent in Ihrer Umsetzung, sie überlassen nichts dem Zufall und treten dem Hörer gerne mal mit voller Wucht in den Allerwertesten. So auch bei der zweiten EP ‚ Golden Blue ‚ mit Ihrem rasanten Opener ‚ I’d Rather Be Stuck On The Stair Rail ‚ und einem Schnellstart der lockerer nicht hätte beginnen können. Immerhin schafften Screaming Tea Party vor zwei Jahren einen Überraschungserfolg mit der ‚ Death Egg EP ‚ und Ihren himmlischen Melodien vor einer rosigen Alice im Wunderland Kulisse. Doch nicht alles war verspielt und in farbenfrohen Tagträumen gefangen. Mit ‚ Golden Blue ‚ schmeißen die Wahl- Londoner noch mal eine Spur Chaos in Ihre Songs. Hier wird man nach den knappen 25 Minuten in seinem eigenen Schweiß ertrinken. Zu viele Kleidungsstücke sind hier ebenso überflüssig wie Menschen, die mit verschränkten Armen vor der Bühne stehen und leicht den Kopf im Takt wippen. Welcher Takt überhaupt? Live wird man auf ‚ Golden Blue ‚ vergeblich danach suchen müssen. Höchstens der gleichnamige Track und das bedachte ‚ Final World War ‚. Die besondere Stärke von Screaming Tea Party liegt einfach gesagt in der Beherrschung sowohl wilder Punk- Nummern, wie auch die melodischen Nummern in Perfektion zu verquirlen. Am besten funktioniert es natürlich Live und in Farbe, wenn zu ‚ Holy Disaster ‚ das weiche und schwingende Gitarrensolo seinen einzigartigen Auftritt genießt. Screaming Tea Party spielen tatsächlich unvergleichlich, haben so gar nichts mit den anderen weltlichen Indierock- und Punkbands gemeinsam und spielen scheinbar zufällige Melodien in makelloser Eleganz – was schlussendlich auf den Punkt gebracht in einem Satz bedeutet: Ein dreiköpfiges und energiegeladenes Biest, das Liveshows in Chaos und Anmut vereint.

8.1