Rina Sawayama – Sawayama

In der ersten Single aus Sawayama’s Debütalbum „SAWAYAMA“, schimpft die britisch-japanische Sängerin gegen die rassistischen Mikroaggressionen, mit denen sie sich ihr ganzes Leben lang auseinander setzen musste. Sawayama brüllt immer wieder den Refrain von „Shut the fuck up“, bevor sie fragt: “Have you ever thought about / Taping your big mouth shut ’cause I have many times”. Es ist ein atemberaubender Song, der irgendwo zwischen Evanescence, Limp Bizkit und JoJo liegt und eine kraftvolle Einführung in eine Welt bietet, die Sawayama auf ihrem neuen Album  uns hier präsentiert. Die Veröffentlichung ihres Debütalbum hat lange gedauert. Seit Sawayama 2013 ihr erstes Lied (das umtriebige „Sleeping in Waking“) veröffentlichte, war sie jahrelang als unabhängige Künstlerin tätig. Sie finanzierte sich ihre Musik durch Model-Deals und Teilzeitjobs.

Nun ist das Album also endlich erschienen und bietet uns mit „Dynasty“ den perfekten Einstieg, der mit all seiner Glam-Metal-Wut explodiert, Aufmerksamkeit fordert und die Messlatte für den Rest der Songs setzt. Ein Großteil des Albums ist eine Anspielung auf die frühen 2000er Jahre. Aber anstatt nostalgisch in diese Ära zu blicken, überarbeitet Sawayama die Musik und erweckt sie zu neuem Leben. Es ist eine passende Ode an diese Zeit: Die Inspiration des Albums stammt hauptsächlich aus Rina’s Erfahrungen mit Erwachsenwerden, Familie und Identität. Rina’s stimmliche Präsenz ist genauso beeindruckend wie die Genre-Spanne des Albums. In den 13 Tracks von „SAWAYAMA“ hören wir die kraftvollen Töne einer Frau, deren Leidenschaft und Wildheit unbestreitbar ist – niemals mehr als in de erhebenden Stücken „Love Me 4 Me“ und „Chosen Family“.

Die Tracks „Akasaka Sad“ und „Paradisin“ untersuchen speziell die Erinnerungen an das Aufwachsen zwischen zwei Orten (für Rina war es Japan und Großbritannien) und die widersprüchlichen Emotionen, die mit dieser Herausforderung einhergehen müssen. Obwohl „SAWAYAMA“ ein zutiefst persönliches Album ist, kann die Bandbreite der durchgehend dargestellten Emotionen auf jeden von uns selbst übertragen werden. Der Einsatz von Heavy Metal, Theatralik, Synth und Pop zeigt so viele unterschiedliche Emotionen – von Wut über Schuldgefühle bis hin zu Verwirrung und Hochstimmung. Jede dieser Schichten trägt zum Schmelztiegel bei, und diese harten Emotionen haben letztendlich zur Schaffung einer makellosen Pop-Platte beigetragen.

Man darf sich wirklich nicht von den Plastik-Pop-Motiven und ausgefallenen Gegenüberstellungen täuschen lassen. Dies ist eine sorgfältig ausgearbeitete, komplexe Pop-Platte, die von den Produktionsbeiträgen von Branchenschwergewichten wie Nicole Morier (Britney) profitiert, aber zweifellos ist es die neue Interpretation und der Star-Appeal von Rina Sawayama, die diesem Album seine funkelnde Essenz verleihen.