BIRD’S EYE stellt RAVYN LENAE als vollendete Nervenkitzelsucherin mit grenzenloser Neugier dar, die nur durch die Unsicherheiten in ihrem eigenen Kopf eingeschränkt wird.
Ravyn Lenae sorgte schon als Teenager für Aufsehen, als sie sich Smino’s mittelwestlichem Kollektiv Zero Fatigue anschloss und mit dem Produzenten Monte Booker zusammenarbeitete. Ab 2015 veröffentlichte Lenae eine Trilogie von EPs, die in dem von Steve Lacy produzierten „Crush“ gipfelten. Nach einer Flaute tauchte sie 2022 mit „Hypnos“ wieder auf, einem Debütalbum, das vielversprechend, wenn auch gelegentlich zurückhaltend war. Die jetzt 25-jährige Lenae hat sich in Los Angeles niedergelassen und für diese Platte einen neuen Kollaborateur hinzugezogen: den kalifornischen Hip-Hop-Veteranen DJ Dahi, bekannt für seine Produktionen mit Kendrick Lamar, Travis Scott und Drake. Als ausführender Produzent bringt Dahi glänzende Synthesizer, flotte Trommeln und Flair in Lenae’s verträumte Ästhetik.
„Bird’s Eye“ ist eine atemberaubende Pop-Suite, die leichtfüßig, aber felsenfest in ihren Überzeugungen ist, mühelos zwischen den Stilen wechselt und dabei immer Lenae’s hauchzarte Stimme in den Vordergrund stellt. Sie schreibt hauptsächlich über komplizierte Beziehungen – das A und O des R&B – aber das ganze Album enthält auch leise Offenbarungen: „I don’t know where to start/ Can’t say where I begin“, singt sie auf „Pilot“, „Just know I’m 24/ Small to the world I’m in.“ Gute Dinge kommen paarweise, und das gilt auch für „Love Is Blind“ und „Love Me Not“, die Lenae als erste Singles dieser neuen Ära veröffentlichte. Sie befinden sich genau in der Mitte des Projekts und bieten einen fantastischen Doppelschlag, der Lenae’s Beherrschung ihrer Klangpalette zeigt.
Die wunderschöne Bridge des plätschernden und reumütigen „Love Is Blind“ macht den Song sofort zu einem Juwel, während die reine Attitüde und der Retro-Pop von „Love Me Not“ an Lenae’s frühere Arbeit aus der Zeit von „Sticky“ erinnern und das Auf und Ab einer instabilen Beziehung darstellen. „Days“ bietet uns dagegen gar eine leichte Anspielung auf Country, dessen Gitarren wie Sirup an einem sonnigen Nachmittag vorbeiklimpern. Lenae ist eine Künstlerin, die eindeutig kein Interesse an Stagnation hat. Es wäre viel zu einfach gewesen, sich auf den Lorbeeren ihres gut aufgenommenen und stimmungsvollen Debüts auszuruhen und nebeneinander liegende Stücke ohne persönliches Wachstum herauszuhauen, aber „Bird’s Eye“ ist das Porträt einer Musikerin, die bereit ist, sich selbst zu übertreffen.
Es könnte etwas länger oder zusammenhängender sein, aber nicht jedermanns zweites Projekt ist so riskant – oder, interessanterweise, so entspannt. „Bird’s Eye“ ist ein Geschenk, und Ravyn Lenae ist auf dem Weg nach oben.
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