Gorillaz – Song Machine, Season One: Strange Timez

Damon Albarn’s schläfrige Präsenz schlurft durch die neuen Songs, als hätte man Ihr mit einem Beruhigungspfeil in den Nacken geschossen und doch bleibt die kräftige Melodik, die SONG MACHINE, SEASON ONE: STRANGE TIMEZ zum besten GORILLAZ Album seit zehn Jahren macht.

Die ursprüngliche Idee des Projekts „Song Machine“ bestand darin, einen Song aufzunehmen und als Single herauszubringen. Damon Albarn plante, jeden Monat einen neuen Song zu veröffentlichen und die Ergebnisse Ende des Jahres als Album zusammenzufassen. Trotz des Ausbruchs der COVID-19-Pandemie gelang es Albarn, sich mehr oder weniger an seinen Zeitplan zu halten und jeden Monat bis zur Veröffentlichung von „Song Machine, Season One: Strange Timez“ im Oktober einen neuen Song herauszubringen. Da das Projekt vor der Pandemie gestartet wurde, spiegelt das Album nicht unbedingt das Leben in der Zeit des Coronavirus wider. Teile davon zeigen sogar Musiker, die nicht lange nach ihrem Beitrag verstorben sind, wie Tony Allen, dessen „How Far?“ die Deluxe-Edition des Albums abschließt.

Das Beck-Feature „The Valley Of The Pagans“ ist ein schleichender Disco-Stampfer, bei dem Damon Albarn sich über die Influencer und Instagram-Poser lustig macht. “in the valley where you wake up every beautiful day in a world you create where your image is golden”, singt er durch ein staubiges Mikrofon. Später beschwört „Chalk Tablet Towers“ einen unruhigen Geist zwischen funkelnden Synthesizern, während Damon und St. Vincent singen: „“I wanna get drunk / I wanna get stoned / I wanna be loved / I wanna go home”. Für einen wunderbar melancholischen Mittelteil sorgen „The Pink Phantom“, „Aries“ und „Friday 13th“, der sich wie ein kaleidoskopischer Fiebertraum auflöst – “I tried to get to Atlanta on a peach blossom highway,” singt Elton John im schaurigen Tonfall.

„Song Machine, Season One: Strange Timez“ mag einer anderen Vorlage gefolgt sein als frühere Gorillaz Alben, aber es ist unverkennbar ein Gorillaz Album, eine Platte, die ihre Melancholie unter einer Reihe sonniger, Genre-biegender Fusionen verbirgt. Das Album ist von Natur aus mit Cameoauftritten übersät – hier gibt es mehr als in „The Now Now“ von 2018, das größtenteils von Albarn selbst gesungen wurde. Freunde und Kollegen wie Robert Smith, Beck, St. Vincent und Elton John, 6lack, Fatoumata Diawara und Peter Hook helfen dabei, das Album aus dem Bereich des Solipsismus herauszuholen und zeigt, dass selbst wenn die Welt weitgehend von sich selbst isoliert ist, es immer noch die gemeinsame Sprache der Musik gibt, die uns alle verbindet.