Porridge Radio – Every Bad

Porridge Radio ist ein Produkt aus Brighton’s fruchtbarer, aber unterirdischer DIY-Szene: eine Welt kassettengeteilter EPs mit amerikanischen Noise-Bands, Debütalben, die in Gartenhäusern aufgenommen wurden, Lo-Fi-Cover von Daniel Johnston-Songs und kostenlose ganztägige Festivals in winzigen Veranstaltungsorten. Was auch immer wir aus all dem machen, wir können den Beteiligten sicherlich nicht vorwerfen, von kommerziellen Ambitionen angetrieben zu werden. Das neue Album „Every Bad“ ist im Vergleich zu einigen frühen Veröffentlichungen von Porridge Radio schick, aber in einer Zeit, in der der sogenannte Alternative Rock mit einer so glänzenden Tiefe überzogen ist, dass er nicht vom Chart-Pop zu unterscheiden ist, fühlt sich die Produktion an den Rändern dennoch ansprechend rau an.

„Don’t Ask Me Twice“ und die Single „Sweet“ gehören zu einer Reihe von Tracks, die auf dynamischen Pixies-ähnlichen Wechseln zwischen leise und laut beruhen. Dies zeigt Margolin als eine der großen Stimmen des Rocks: Ihr heiserer, kehliger Klang scheint von irgendwo tief im Inneren ausgebaggert zu sein, ein authentischer Ausdruck von etwas Dunklem und Gequältem, anstatt nur eine nervöse Verzierung zu sein. An anderer Stelle ist kein großer Phantasiesprung erforderlich, um sich die spindeldürren Gitarren von Porridge Radio, die schreienden Hintergrundgesänge und die Schattierungen von Violine und billig klingendem Synthesizer vorzustellen. „Lilac“ begeistert mit seinem stetigen Tuckern der Gitarre und dem Rauschen der Saiten. “I want us to get better,” fleht Margolin, “I want us to be kinder to ourselves.” Ihre Stimme wird zu einem Schrei und der Refrain schwillt an, bis er droht überzukippen. 

Nur wenige Alben tragen die rohe Emotion von „Every Bad“ in sich und tragen sie mit solch musikalischem Selbstvertrauen wie es Porridge Radio auf diesem Album tun.