The White Stripes – White Blood Cells

Jack und Meg White aus Detroit kommen zu uns erneut über ihre Einflüsse: Im vergangenen Jahr hat „De Stijl“ Rietveld’s Designprinzipien auf die Verpackung des Albums gezeichnet und ihre Musik zeigt eine Widmung, die darauf hindeutet, dass die McTell-Referenzen zum neuen Album „White Blood Cells“ nicht leichter genommen werden. Zugleich eröffnet es mit einem wahrlich dicken Blues-Riff und enthüllt die Einflüsse eines Megastores, vom Country-Blues aus der Vorkriegszeit über Pop-Songschreiberhandwerk aus dem Goldenen Zeitalter bis hin zu radikalen Überarbeitungen von Captain Beefheart. Am wichtigsten ist aber, dass die Musik zusammengemischt wie Rock’n’Roll klingt. Meg hinter den Trommeln und Jack, der jedes andere Instrument besetzt, aber hauptsächlich an der E-Gitarre festhält – können die White Stripes eine gottlose Menge an Geräuschen erzeugen, und sie eröffnen „White Blood Cells“, indem sie genau das tun. 

Wer nicht von den Fuzzbox-Riffs von „Dead Leaves And The Dirty Ground“ überzeugt ist, sollte es immer noch schwer haben, dem freudigen „Hotel Yorba“ zu widerstehen, ein Hinweis auf die künftige stilistische Vielfalt. Jack White hat nachweislich Einwände gegen die postmoderne Haltung vieler Indie-Rock-Blues-Revivalisten erhoben, eine Falle, die seine Band sowohl musikalisch als auch textlich vermeidet. An letzterer Front bleiben The White Stripes am anderen Ende der Haltung, indem sie sich mit Herzschmerz und Verletzlichkeit befassen. Jack und Meg White beschwören den Heiligen Geist und leiten ihn durch 16 perfekt prägnante Sehnsuchtslieder, mit schmutziger, verzerrter E-Gitarre, die auf maximale Verstärkung eingestellt ist. Sie innovieren keinen Rock; sie verkörpern es.

Es ist nicht zu leugnen, dass die White Stripes in die Grenzen des Garage Rock fallen. Ihre Musik ist einfach, reduziert und heult den Blues. Aber trotz der Einfachheit gibt es hier etwas, das so viel tiefer geht. Jack White’s verstümmelte Gitarre schreit wie ein tollwütiger Fuchs, dessen Schwanz in tausend feine Streifen massakriert wurde. Meg White’s Spiel am Schlagzeug ist so heftig, dass man sie sich als eine Art unglaublichen Hulk vorstellen kann, obwohl sie auf Fotos wie das prototypische Indie-Girl erscheint. „The Same Boy You’ve Always Known“ ist ein weiterer Höhepunkt. Für eine Ballade rockt es härter als die Hardrocker der meisten Bands, aber es schmerzt in seiner emotionalen Wirkung. Jack White wiederholt bestimmte Schlüsselzeilen und spannt seine Stimme an, um Sinn und Gefühl zu vermitteln. Das Lied endet unverbindlich und schrecklich traurig mit: „If there’s anything good about me/ I’m the only one who knows.“

Am Ende des Albums sitzt Jack schließlich alleine am Klavier. Obwohl seine Botschaft vage ist, gibt es Implikationen von Religion und Verlust: „You thought you heard a sound/ There’s no one else around/ 300 people out in West Virginia/ Have no idea of all these thoughts that lie within you/ But now… now… now, now, now, NOW!“ Was jetzt? Es ist die schwebende Resonanz des Augenblicks, die Intensität des Gefühls, die diesen Worten Bedeutung verleiht. „White Blood Cells“ weicht nicht weit von der Formel früherer White Stripes Aufzeichnungen ab. Alle Songs sind angespannt, spärlich und gezackt. Aber hier haben sie sich endlich zu eigen gemacht, wo Jack und Meg White sich endlich nicht nur mit dem von ihnen gewählten Weg wohl fühlen, sondern auch präzise in der Lage sind, das tiefste Gefühl in einem einzigen Satz zu verewigen.