PINK FLOYD Ummagumma
PINK FLOYD präsentieren 1969 ein Doppelalbum, das zugleich Dokument, Versuchsanordnung und Suchbewegung ist. Die Live-Aufnahmen zeigen eine Band, die ihre frühen Stücke mit einer neuen Strenge aufführt.
Mit „Ummagumma“ legen Pink Floyd ihr erstes Doppelalbum vor, das sich auffallend klar in zwei Hälften gliedert: ein dokumentarischer Live-Block aus Manchester und Birmingham, dazu vier voneinander getrennte Studioexperimente. Die Band positioniert sich damit im Spannungsfeld zwischen der Londoner Underground-Szene und einem wachsenden akademischen Interesse an elektroakustischen Verfahren. Das Cover – ein wohnzimmerähnlicher Raum, geöffnet in einen Garten, durchzogen von einer Droste-Struktur, alles in leicht mattem Licht – verweist unabsichtlich auf diese Teilung: innen eine kontrollierte Situation, außen eine offene Fläche, in der die Mitglieder fast beiläufig verteilt stehen.
Die Live-Aufnahmen zeigen das Material der vergangenen Jahre in konzentrierter Form. „Astronomy Domine“ erhält durch das härtere Attack der Gitarre ein anderes Gewicht, während „Careful with That Axe, Eugene“ mit längeren Spannungsbögen arbeitet, die Mason präzise in Bewegung hält. „Set the Controls for the Heart of the Sun“ wirkt straffer als bei früheren Aufführungen. „A Saucerful of Secrets“ wird zu einem fast ritualisierten Stück, dessen vier Abschnitte erstaunlich sauber ineinandergreifen. Die zweite LP bricht diese Geschlossenheit radikal auf. Richard Wright beginnt mit „Sysyphus“, einer viersätzigen Suite, die Mellotron-Schichtungen, dissonante Klavierpassagen und freie perkussive Einwürfe bündelt. Das Ergebnis wirkt ambitioniert, manchmal suchend, gelegentlich streng.
Roger Waters schlägt mit „Grantchester Meadows“ einen anderen Ton an: eine akustische Miniatur, getragen von Naturgeräuschen, unaufgeregt, fast kontemplativ. „Several Species of Small Furry Animals Gathered Together in a Cave and Grooving with a Pict“ erweitert den Ansatz in Richtung Geräusch- und Bandmaschinenarbeit, ohne jedes konventionelle Instrument. Gilmour’s „The Narrow Way“ stellt drei voneinander abgesetzte Abschnitte nebeneinander, mit akustischen Motiven, verzerrten Gitarrfiguren, später einer kurzen Vokalpassage. Mason schließt mit „The Grand Vizier’s Garden Party“, einer perkussiven Collage, deren Flötenrahmung das Fragmentarische nur unterstreicht.
Die Studioseite bleibt ein heterogenes Tableau. Jedes Mitglied verfolgt seinen eigenen Ansatz, ohne ein verbindendes Konzept. Gerade deshalb wirkt das Album wie eine Momentaufnahme des Jahres 1969: Bands testen die Möglichkeiten der Studios, Universitäten beschäftigen sich mit elektronischer Klangproduktion, neue Formen entstehen, die sich weder dem Popmarkt noch der Avantgarde vollständig zuordnen lassen. „Ummagumma“ ist kein geschlossenes Werk, eher eine Sammlung von Möglichkeiten, die Pink Floyd in diesem Jahr ausloten.
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