Noisettes – Wild Young Hearts

Der tragende Person auf dem neuen Cover der Noisettes ist schnell gefunden: Sängerin Shingai Shoniwa, mit Wurzeln in England und Zimbabwean, ist das bestimmende Mitglied in der Band und treibende Kraft. Dominant lenkt Sie die neuen Songs der zweiten Platte in den richtigen Bahnen, zeigt echte emotionale Intensität als freistehenden Zynismus und schwebt selber irgendwo zwischen Macy Gray und der ehemaligen Morcheeba Sängerin Skye Edwards. Auch wenn ‚ Young Hearts ‚ polierter und die Anstrengungen vermehrt auf die Kommerzialisierung verlegt wurden, klingt die zweite Platte der Noisettes kein wenig herzlicher. Zwar fehlt diesmal der Aufhänger, dafür bestimmen wieder die wunderschönen Mash-Ups der musikalischen Stilrichtungen von Dan Smith und Jamie Morrison das Geschehen und verbinden spielend leicht eine Mischung aus harten Rock- Indie und Jazz Elementen. Das die Noisettes keine reine Indieband sind, haben Sie schon mit dem Debüt vor zwei Jahren bewiesen und die eigene Meinung dazu ist so kurz wie klar: „Indie is boring, dead and over“, heißt es im Guardian von Sängerin Shingai. Dementsprechend wurde ‚ What’s The Time Mr. Wolf? ‚ ein bizarrer Run durch die verschiedenen Genres und dazu eben eine außergewöhnliche Frau am Mikrophon, die es versteht wie keine andere Stücke zu schreiben, die Ihre eigenen Talente in voller Gänze präsentieren. All diese Eigenschaften lassen die Noisettes auf dem vermeintlich schwierigen zweiten Album mit Leichtigkeit und Stil einfließen und verdienen mit ‚ Young Hearts ‚ endlich unsere Aufmerksamkeit gehört zu werden. Leider wurde ‚ What’s The Time Mr. Wolf? ‚ in dem ganzen Veröffentlichungswahn neuer Indiebands gänzlich die Luft abgedrückt und belegte nur die hinteren Plätze in den englischen Charts. Zwei Jahre später hat sich die Angelegenheit um 180 Grad gewendet und gilt schon jetzt als Anschauungsmaterial für perfektes Songwriting. Die einfache Melancholie in ‚ 24 Hours ‚ ist Sinnbild und zentraler Haken für ‚ Wild Young Hearts ‚ und verknüpft die krönenden Highlights ‚ Never Forget You ‚ und ‚ Beat Of My Heart ‚ mit dem unwiderstehlichen 60er Jahre Flair in ‚ Atticus ‚. Das Album ist keineswegs ein kompliziertes Stück, dass es in vielen Sitzungen zu verstehen gilt. Vielmehr spielen hier intelligente Rhythmen und ausgefeilte Melodien reibungslos zusammen und selbst Shingai Shoniwa ist auf dem besten Wege eine weibliche Rock-Ikone zu werden. Die Noisettes verdienen einfach ein Leben lang auf der Bühne zu stehen – unwichtig zu welcher Musik und ganz egal zu was Sie sich in der nahen Zukunft auch immer hinreißen lassen.