Noah And The Whale – The First Days Of Spring

Dumpf donnern die Schläge im weit entfernten Hintergrund, beruhigend kreuseln sich die Gitarren in unserem Blickfeld durch sanfte Luftströmungen. Liebe und Schmerz tropft aus allen Poren der Erde, verbinden an der Oberfläche beide Eigenschaften in triumphierender Feinheit und erschafft damit ein wunderschönes Bild der geistigen Geschlossenheit. Wir sind Noah And The Whale. Wir identifizieren uns mit ‚ The First Days Of Spring ‚, schütten unsere Bedürfnisse in die gebrochenen Waagschalen, öffnen unsere Herzen und spüren darin eine tiefe Erleichterung. Es ist das Gefühl endlich verstanden zu werden, auf einmal kennt jemand unsere innigsten Verlangen, befasst sich mit Ihnen auf ironische und nachsichtige Art und Weiße. Lieblich und reizend umgarnen uns die sartorialen Entscheidungen im einflussreichen Indie-Kino. ‚ The First Days Of Spring ‚ spielt ebenso mit der Exzentrik, mit der menschlichen Individualität und den verschiedenen Gesellschaftsordnungen. Der Hörer bekommt hier ein Komplettpaket zu sämtlichen Lebensfragen und auch die Frage was zuerst da war, das Album oder das künstlerische Konzept, ist nicht einfach zu beantworten. Schließlich könnten ebenso gut farbige Ballons durch die himmelblauen Lüfte schweben, während das Feld darunter langsam zu blühen beginnt, doch Charlie Fink versichert uns: „The album very much came first“. Und darin lassen sich unendliche viele Details ausmachen. Die Feinheiten in der Textur, die deprimierenden Klavier Linien, das langsame zupfen der Saiten, das zügellose Schwelgen in Erinnerungen, die düsteren Mündungen in unbekannte Gebiete und die permanent wechselnden Emotionen mit einer seltenen Durchsichtigkeit. Hier erkennt man das erhebliche Talent. Es ist bemerkenswert und unheimlich wie deutlich das schreiende und von Fuzz-Gitarren bestimmte Stück ‚ My Broken Heart ‚ im Kontrast zum majestätischen ‚ Love Of An Orchestra ‚ stehen kann und dabei lächerlich, wie auch triumphierend auf den Hörer herab blickt. Man fühlt förmlich die aufgehaltenen Tränen, Verzweiflung weicht der Erkenntnis, das alles was er jemals zu lieben versucht hat, verschwunden ist. Doch lehrt uns die Platte auch nie aufzugeben, denn schon bald wird die rettende Auflösung vor unserer Tür stehen. „You know in a year it’s gonna be better“ und ehe man sich versieht, „blue skies are coming“. Natürlich verlangt das Album harte Arbeit von uns, doch es wird sich am Ende auszahlen. Die lyrische Analyse als Präparation der Musik wird vor unserem geistigen Auge selbst erscheinen, doch sind nicht die Texte worum es eigentlich geht, sondern das Gefühl und die Botschaft dahinter. Es ist nicht das Papier, sondern die darauf befindliche Schrift. Es ist das romantische Unglück und das Versäumnis neue Wörter für uralte Emotionen zu finden. Dennoch ist es eine willkommene Abwechslung und alleine der Gedanke, es könnte schon wieder Frühling sein, spricht von etwas ganz Besonderem, das es bedingungslos zu Lieben gilt.