NINA HAGEN HiGHWAY TO HEAVEN
NINA HAGEN beschwört auf HiGHWAY TO HEAVEN mit einer Mischung aus Gospel und Punk die ewige Seligkeit, während Nana Mouskouri und Gitte Hænning als spirituelle Wegbegleiterinnen fungieren.
Wer meint, die Mutter des Punk hätte ihre Krallen endgültig gegen weichgespülte Kirchenlieder eingetauscht, hat die Rechnung ohne die Berliner Schnauze von Nina Hagen gemacht. Die Geste ist hier Programm: Es geht nicht um den Rückzug ins Private, sondern um eine strategische Aneignung uramerikanischer Sakralmusik, die als radikale Verweigerung gegenüber dem weltlichen Lärm funktioniert. Wenn die Hagen in „Everybody’s Gonna Have A Wonderful Time Up There“ den Gospel-Boogie auspackt, dann ist das kein altersmildes Schunkeln, sondern eine fast schon manische Setzung von Hoffnung als Widerstand.
Diese bewusste Inszenierung einer fast jenseitigen Ekstase findet ihre visuelle Entsprechung auf dem Cover, wo die Künstlerin uns mit aufgerissenen Augen und bleichem Teint entgegentritt. Die Pose zwischen Stummfilm-Diva und religiöser Verzückung unterstreicht den Bruch zwischen der oft intimen, akustisch geprägten Americana-Instrumentation und der überzeichneten, theatralischen Performance. Das Bild klärt die musikalische Marschrichtung: Hier wird der Glaube nicht nur besungen, er wird mit einer Vehemenz aufgeführt, die jede Grenze zwischen Authentizität und Maskerade verwischt.
Die Produktion von Warner Poland setzt konsequent auf eine klangliche Erdung, die den exzentrischen Ausbrüchen der Stimme den nötigen Raum gibt. Dass dabei Legenden wie Nana Mouskouri in „Never Grow Old“ auftauchen, wirkt weniger wie ein PR-Gag als vielmehr wie eine notwendige Einreihung in eine Traditionslinie, die den Tod schlichtweg ignoriert. Hagen nutzt diese Kollaborationen als Resonanzflächen, um ihre eigene spirituelle Botschaft zu festigen, ohne dabei die für sie typische Reibung aufzugeben. In „Somebody Prayed For Me“ artikuliert sie die Rettung durch das Gebet fast schon mit einer Trotzreife: „I’m so glad that someone prayed for me“.
Am Ende steht eine ästhetische Konsequenz, die sich deutlich von den wütenden Anfängen ihrer Karriere abhebt, ohne deren Energie zu verraten. Nina Hagen hat den Highway nicht gewählt, um bequem ans Ziel zu kommen, sondern um die Reise selbst als Akt der Hingabe zu zelebrieren. Die konsequente Hinwendung zum Gospel markiert eine Neuausrichtung, die das Unbequeme nicht im Krawall, sondern in der bedingungslosen Andacht findet.
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