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Quadratisches Albumcover zeigt Nina Hagen mit wildem roten Haar und starkem, dunklem Make-up in einer theatralischen Pose. Im Hintergrund sind dunkle Silhouetten von Häusern vor einem dämmerigen Himmel zu sehen, oben links steht gelb auf schwarz der Schriftzug Nina Hagen Band und daneben klein „unbehagen“.
ALBUM

Unbehagen NINA HAGEN BAND

1980
MSTAX ALBUMPROFIL

Das neue Album der NINA HAGEN BAND besticht durch eine unterkühlte Aggressivität und bricht radikal mit den herkömmlichen Erwartungen an den deutschen Rock. Zwischen exzessivem Reggae und schneidenden Gitarrenwänden inszeniert Nina Hagen ein verstörendes Szenario aus gesellschaftlicher Verweigerung und stimmlicher Akrobatik.

Ein grell geschminktes Gesicht blickt uns entgegen, die Augen weit aufgerissen, eine Maske der Ekstase oder des Schreckens vor einer Kulisse, die nach nächtlicher Vorstadt und industrieller Tristesse riecht. Diese visuelle Überzeichnung auf dem Cover fungiert als notwendiges Korrektiv zur klanglichen Dichte von „Unbehagen“; sie markiert den Punkt, an dem die Pose zur einzigen verbleibenden Wahrheit wird. In diesem starren Blick manifestiert sich die bewusste Künstlichkeit, mit der die Nina Hagen Band ihre interne Zerrissenheit in eine produktive, wenn auch hochgradig nervöse Ästhetik übersetzt. Es ist das Bild einer Künstlerin, die sich in der totalen Exponiertheit versteckt, während die Musik bereits die Auflösung der Formation proklammiert.

Die strategische Entscheidung, dieses Album in getrennten Sphären entstehen zu lassen, prägt jede Sekunde der Aufnahme. Während die Musiker von Spliff in Frankfurt ein hochpräzises, fast schon klinisches Fundament aus Rock- und Reggae-Strukturen errichteten, fungiert der nachträglich hinzugefügte Gesang von Nina Hagen als eine Art feindliche Übernahme des eigenen Materials. Diese Distanz zwischen Band und Stimme materialisiert sich in einer Produktion, die keine organische Wärme mehr zulässt. In „African Reggae“ wird die rhythmische Disziplin durch yodelnde Eskapaden konfrontiert, die den Song weniger als Hommage, sondern als parodistische Dekonstruktion eines Genres erscheinen lassen. „Was soll ich denn aber in Africa als Frau, als Frau / Wenn der schwarze Mann die schwarze Frau kastriert“, schleudert sie den Hörerinnen entgegen und bricht damit die exotische Sehnsucht des Reggae durch eine brutal aktuelle, feministische Reibung.

Diese Form der Haltungskritik setzt sich in der Bearbeitung von Fremdmaterial fort. Wo das Debüt noch nach einer passfähigen Identität innerhalb des Punk-Aufbruchs suchte, agiert „Unbehagen“ als bewusste Verweigerung jeglicher Kategorisierung. Die Umdeutung von „Lucky Number“ in das hysterische „Wir leben immer… noch“ nutzt die New-Wave-Vorlage lediglich als Skelett für eine manische Selbstdarstellung. Musikalische Mittel wie die schneidende Gitarrenarbeit in „Alptraum“ oder die fast schon mechanische Rhythmik dienen ausschließlich dazu, die vokale Unberechenbarkeit einzurahmen. Jede Hookline wird sofort durch ein Kreischen oder ein opernhaftes Pathos sabotiert.

Das Album markiert somit eine ästhetische Konsequenz, die über den bloßen Fortbestand einer Band hinausgeht. Es dokumentiert den Moment, in dem die individuelle künstlerische Wut das Kollektiv sprengt und die musikalische Form nur noch als notwendiges Übel akzeptiert wird.

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Anspieltipps: African Reggae, Alptraum, Wir leben immer… noch

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