NINA HAGEN BAND Nina Hagen Band
NINA HAGEN BAND entfesselt einen rasanten Mix aus Punk und Rock, der Berlin im Jahr 1978 mit ungekannter Wucht erschüttert. Das Debüt von markiert einen radikalen Bruch mit bisherigen Hörgewohnheiten und definiert die ästhetischen Grenzen deutschsprachiger Musik völlig neu.
Dieses Album ist eine frontale Ansage. Wer glaubt, hier handele es sich lediglich um ein beliebiges Produkt aus dem Schaufenster am Kurfürstendamm, hat die strategische Wucht dieses Werks nicht verstanden. Die Nina Hagen Band liefert 1978 einen Monolithen ab, der ebenso giftig wie genial konstruiert ist. Es ist kein Zufallsprodukt, sondern eine eiskalte ästhetische Entscheidung: Der Schmutz der Straße wird in ein Studio gezerrt, das nach Hochglanz riecht. Hier treffen Musiker aufeinander, die ihr Handwerk so präzise beherrschen, dass sie den Punk nicht nur spielen, sondern ihn regelrecht sezieren.
Die Inszenierung auf dem Cover fungiert dabei als notwendiger Schlüssel zum Verständnis der gesamten Platte. Hagen starrt uns an, die Zigarette im Mundwinkel, das Make-up so dick aufgetragen wie Fassadenfarbe – es ist die perfekte Symbiose aus totaler Künstlichkeit und einer fast schon unangenehmen Echtheit. Dieses Bild klärt sofort, dass hier kein gefälliger Schlager geboten wird, sondern eine bewusste Überzeichnung von Weiblichkeit, die alles einreißt, was man von einer Frau am Mikrofon erwartet. In „Unbeschreiblich weiblich“ wird diese Haltung zum Manifest erhoben, wenn sie fragt: „Warum soll ich meine Pflicht als Frau erfüll’n? / Für wen?“. Das sitzt wie eine schallende Ohrfeige gegen bürgerliche Rollenmuster.
Die Band agiert dabei wie eine hochpräzise Waffe. Während Nina Hagen vorne die unberechenbare Diva gibt, die phasenweise klingt, als würde sie die Wände hochgehen, liefern die Musiker einen Teppich aus handwerklicher Perfektion. In „TV-Glotzer“ wird das Original der Tubes nicht einfach nur gecovert, sondern komplett in den Berliner Sumpf transformiert. Die Produktion wirkt staubtrocken und gleichzeitig so druckvoll, dass sie die Grenzen des damals Üblichen sprengt. Wenn die Gitarren in „Rangehn“ einsetzen, wird deutlich, dass hier Profis am Werk sind, die ganz genau wissen, wie man Dreck musikalisch veredelt. Das Album bleibt eine einzige Reibungsfläche, eine provokante Pose, die musikalisch so hieb- und stichfest untermauert ist, dass man ihr nicht ausweichen kann.
Am Ende bleibt das Gefühl, dass hier jemand die Tür mit dem Stiefel eingetreten hat, ohne die Absicht, sie jemals wieder zu schließen. „Pank“ rotzt zum Abschluss noch einmal ordentlich in die Runde und entlässt das Publikum ratlos, aber euphorisiert. Dies ist keine Musik für den Hintergrund, sondern eine bewusste Setzung, die ebenso hässlich wie schön sein will. Wer nach Harmonie sucht, ist hier falsch – hier wird gearbeitet, und zwar mit einer Rücksichtslosigkeit, die ihresgleichen sucht.
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