Fiona Apple – Fetch The Bolt Cutters

Fiona Apple’s erstes Album seit acht Jahren, „Fetch The Bolt Cutters“, ist endlich da. Das fünfte Album wurde hauptsächlich in ihrem Haus am Strand von Venedig aufgenommen. Zu einem ausgewählten inneren Kreis von Musikern gehörten Sebastian Steinberg von Soul Coughing, Amy Aileen Wood, Cara Delevingne und fünf Hunde namens Mercy, Maddie , Leo, Little und Alfie. Ein musikalisches Erlebnis, das sich über die Wiedergabetreue erstreckt – der Stil der Platte ist oft so unkompliziert wie das Cover des Albums, gefüllt mit Rhythmen, die wie Feldaufnahmen und Schlagzeugpeitschen klingen und den Songs eine instabile Grundlage geben. Aber sie zu erden ist Apple, mit einer durchdringenden kristallklaren Absicht. Sie singt von weiblicher Solidarität, von Freunden aus Kindertagen, aufdringlichen Liebhabern und dem Gewicht der Depression, alle mit einem feurigen Witz versehen, der das Chaos durchschneidet.

Sie behandelt die Songs wie einen Tagebucheintrag oder wie eine Therapie und spuckt einmal, “I resent you for presenting your life like a fucking propaganda brochure”, auf dem harmonischen „Relay“ aus. Die Rhythmen sind angenehm, aber gegenläufig und ungewöhnlich. Auf dem Titeltrack singt sie halb über einem provisorischen Orchester aus Küchengeräten, Hundebellen und Katzenjammern. Der Beat auf „Under the Table“ begeistert mit brodelnden Tempoverschiebungen, während sie bei „Ladies“ am vertrautesten wirkt und über eine seelenvolle Kulisse brüllt, dabei ihre eigene Stimme wie Tabak kaut und diese dann plötzlich in den Himmel aufsteigen lässt. Es ist bemerkenswert, wie intim Apples Stimme hier klingt – halb gesprächig, halb selbstmurmelnd, was jeden Kratzer, Atemzug und wildes Aufschreien zulässt. 

Dies ist ein Album voller Trotz. Vielleicht nirgendwo mehr als auf „Under the Table“, auf dem sie warnt: “Don’t you, don’t you, don’t you push me”. “Kick me under the table all you want,” grinst sie im Refrain. “I won’t shut up.” Gut so.