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Close-up eines Gesichts mit Nudeln als Haare und vielen bunten Stickern auf der Haut.
ALBUM

A Moment In My Eyes MY PRECIOUS BUNNY

2026
MSTAX ALBUMPROFIL

Eine melancholische Odyssee durch verblasste Kindheitstage und die bittere Realität des Erwachsenwerdens entfaltet sich auf dem intimen Debütalbum von MY PRECIOUS BUNNY, das mit cineastischer Opulenz und nostalgischer Tiefe berührt.

Das Atmen vor dem ersten Ton verrät die Intention. Wenn eine Stimme so nah am Mikrofon platziert wird, dass das Timbre fast unangenehm intim wirkt, verschiebt sich die Perspektive des Zuhörens. Lily Wolter wählt für ihr Soloprojekt My Precious Bunny eine Haltung der radikalen interiorisierten Fragilität. Die Songs auf „A Moment In My Eyes“ entfalten sich wie vergilbte Fotografien, die zu lange dem Sonnenlicht ausgesetzt waren – die Farben sind ausgebleicht, aber die Konturen der Schmerzen bleiben messerscharf. Frühere Arbeiten im Dream-Pop-Duo Penelope Isles fungieren hier nur noch als weit entfernter, verwaschener Hallraum, von dem sich diese Produktion radikal emanzipiert. Es ist die bewusste Absage an den geschlossenen Bandkontext, hin zu einer fragmentierten, fast schmerzhaft offenen Textur.

Diese ästhetische Zerrissenheit findet ihre visuelle Entsprechung in der Inszenierung des Artworks, das die radikale Künstlichkeit einer Überdosierung von popkulturellem Kitsch nutzt, um die darunterliegende, nackte Einsamkeit nur umso brutaler freizulegen. Das Bild bricht die musikalische Intimität durch eine theatralische Maskerade, die nicht schützt, sondern den emotionalen Ausnahmezustand dechiffriert. In Songs wie „Tryin’ But I’m Dyin’“ dominiert ein Alex-G-inspiriertes, irritierendes Synths-Arrangement, das die Verzweiflung moderner Beziehungsversuche regelrecht seziert. Die Stimme fungiert dabei als rein funktionales Element; sie wird nicht geschönt, sondern bricht an den Kanten der unruhigen Gitarrenläufe. Zusammen mit dem Produzenten Paul Gregory und Multiinstrumentalist Allister Kellaway gelingt eine Klangarchitektur, die mit Chören, dissonanten Saxophonen und analogen Synthesizern eine beachtliche Dichte erzeugt.

Die narrative Kraft speist sich aus der collagenhaften Struktur der Texte, die persönliche Traumata ohne filternde Metaphorik protokollieren. Im Titeltrack „A Moment In My Eyes“ verdichtet sich diese Methodik in zwei Zeilen, die eine ganze verloren gegangene Epoche evozieren: „Black and white photos, spillings of a dream / Tents up in the garden, youngest of the team“. Diese lyrische Fragmentierung zieht sich durch das gesamte Werk und nutzt die Erinnerung an eine unbeschwerte Kindheit auf der Isle of Man als Kontrastfolie für die Panikattacken des Erwachsenenlebens. „Wack“ verschleppt das Tempo bis zum Stillstand, während die choralen Schichten von Freundesstimmen die Isolation der Künstlerin nur noch deutlicher betonen. Es ist ein bemerkenswert unprätentiöses Dokument des Übergangs, das seine formale Zerrissenheit stolz vor sich hergibt.

Der Schlusspunkt des Albums führt die anfängliche Atemlosigkeit in ein orchestrales Verglimmen über. Die Geigen- und Orgelpassagen lösen den strukturellen Druck auf, ohne jedoch eine erlösende Katharsis anzubieten. Die Verschiebung ins Reine, Fast-Schwebende lässt die erlebte Schwere unaufgelöst im Raum stehen.

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Close-up eines Gesichts mit Nudeln als Haare und vielen bunten Stickern auf der Haut.

My Precious Bunny – A Moment In My Eyes

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Anspieltipps: Tryin’ But I’m Dyin’, A Moment In My Eyes, Wack

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