Moon Duo – Circles

Man lässt sich als Hörer einfach nur treiben. Das Moon Duo ist die große Wüste des Meeres. Eine Odysee der Entfremdung ist das, wenn Ripley Johnson, der scheinbar unterforderte Wooden Shijps Mastermind, mit seinem hauptsächlichen Nebenprojekt durch die verschmolzenen und futuristischen Rhythmusmaschinen wabbert – die nebenbei noch möglichst variationslos dem fernen Horizont entgegen galoppieren. Aber man muss an dieser Stelle auch festhalten, dass der fortgeschrittene Escapismus in zwei ein halb Akkorden aus der zweiten EP ‚ Escape ‚ größtenteils durch hüpfende Melodien ersetzt wurde. Doch spreche ich hier deutlich in Bezug auf Moon Duo. ‚ I Can See ‚ ist zum Beispiel alles andere als eine ausgehöhlte Kraterlandschaft. Hier erblühen neue Landschaften, spritzig und äußerst energievoll zerplatzen Blüten in alle Himmelsrichtungen, während die Welt mit einem lächeln im Gesicht auf die plötzlichen Veränderungen herab sieht. Es ist auch ein Album der neuen Gegensätze und das Resultat einer langen Wegsperrung in den Rocky Mountains. Die zwei vom Mond hatten sich in den Wintermonaten in Blue River, Colorado in eine selbst gewählte Isolation begeben um den langen Nächten dort ein paar neue Songs abzutrotzen. Und deshalb ist es manchmal kaum in Worte zu fassen, wie lebendig und voller Lebensfreude die hellen Gesänge in unsere Gehörgänge eindringen. Doch das wirklich schöne an ‚ Circles ‚ ist die unveränderte erdig-psychedelische Erfahrung, die einem auf dem zweiten Album erwartet. Ein richtiges Original in diesem Sinne erwartet uns dann mit dem Stück ‚ I Been Gone ‚. In der Wüste gebackende und fusselnde Gitarren-Riffs, betäubende Gesänge und das beständige Gurgeln des wackeligen Keyboards geben schlussendlich den Anstoss für den kollektiven Hall in seiner omnipräsentesten Form. Einmal mehr ist eintönig das Wort, welches uns stellenweise in den Sinn kommen könnte. Viele lieben diese Monotonie inbrünstig, andere verachten sie aus tiefster Seele. ‚ Sparks ist ein weiterer Höhepunkt und zugleich die geschickte Zersiedelung bekannter Muster und ‚ Dance Pt 3 ‚ nutzt anschließend diese neuen propulsive Freiräume für lustvoll geschwungene Synthie-Linien. Aber der Weg dieser neuen Lieder führte die Band neben Ihrem Aufenthalt in den Rocky Mountains auch nach San Francisco, wo sich unsere Nomaden im Frühjahr niederließen und sich mit Phil Manley von Trans Am zusammen im Studio einschlossen. Wie das Vorgänger-Album, wurde auch ‚ Circles ‚ letztlich in Berlin in den Kaiku Studios fertig gestellt und gemastert. Mich erinnert der Sound auch stets an den kurzen – doch ungeheuerlich intensiven – Trip der Pyramids (bestehend aus den Mitgliedern des Archie Bronson Outfit). Das solltet Ihr euch unbedingt mal anhören. Mit ‚ Free Action ‚ fegt das Moon Duo im Anschluss über den schnurgeraden Erdboden, vorbei an schimmernden Oasen und oszillierenden Kraft-Feldern. Wahnsinn mit welcher Ausdauer hier Ripley Johnson gegen Ende seine Gitarre in den beschriebenen Erdboden malträtiert. Der Kerl will einfach nicht mehr damit aufhören. Aber zu dieser Zeit dürfte man sich als Hörer sowieso kaum noch Gedanken über solche Dinge machen. Der Kopf ist schon lange fremdgegangen und gehorcht unseren Befehlen nur noch sporadisch. Fast einem freien Fall nahe, kommt kurz danach das Stück ‚ Trails ‚ einem entgegen. Und nach ‚ Rolling Out ‚ ist ‚ Circles ‚ offiziell zu Ende. Doch es sollte ein (verdammt) zähes Ende werden. Knurrende Generatoren und knirschende Gitarren drehen in ausgedehnten Schleifen über acht Minuten Spielzeit. Puh! Glückwunsch wer hier bis zum bitteren Ende dem Kreislaufkollaps entrinnen konnte…

8.3