MODESELEKTOR DJ-Kicks: Modeselektor
MODESELEKTOR feiern 30 Jahre DJ-KICKS mit einer rastlosen, eklektischen Mixtur aus Dub, Techno und unerwarteten Klangbrüchen.
Seit über drei Jahrzehnten prägen Modeselektor die elektronische Szene Berlins, zunächst als wagemutige Klangarchitekten im Underground, später als fester Bestandteil globaler Clubkultur und als Mitinitiatoren von Moderat. Mit ihrer Jubiläumsausgabe der renommierten DJ-Kicks-Reihe beweisen Gernot Bronsert und Sebastian Szary erneut, dass sie auch nach zahllosen Veröffentlichungen und Kollaborationen auf Labels wie BPitch Control, Monkeytown oder Ninja Tune nicht an Neugier eingebüßt haben. Das neue Mixtape markiert zugleich die 30 Jahre DJ-Kicks und 40 Jahre !K7 Records – ein doppelter Anlass, der die Erwartungen hochschraubt.
Schon der Auftakt mit Szarys „PREY“ verweist auf eine andere Richtung als reine Clubtauglichkeit. Fließende Pads und schwebende Texturen bauen eine fragil wirkende Klangszene auf, bevor Kitschselektor mit „Permit Riddim“ erste Risse in diese Ruhe zieht. Der Mix wirkt wie ein bewusstes Statement: Keine gerade Linie, sondern ein ständiges Abtasten der Bruchstellen zwischen Genres. So steht das euphorische Aufblitzen des bislang unveröffentlichten „MEGA MEGA MEGA“ neben der dunklen Schwere von Slikbacks „Sea“, während die feine Vokalarbeit von GAISTER eine fast körperliche Präsenz entfaltet.
Szary erklärte, er habe gezielt „Tracks ohne Drums“ ausgewählt, Bronsert hingegen die „Dancefloor-Bretter“. In dieser Spannung liegt der Reiz, auch wenn sie an manchen Stellen eine gewisse Zerrissenheit hinterlässt. Die Auswahl changiert zwischen forderndem Techno und introvertierten Momenten, von Little Simz’ „Mood Swings“ über das industriell schlagende „The Machine“ von Ben Klock & Fadi Mohem bis hin zu Beirut, deren „Spillhaugen“ das vielleicht überraschendste Kapitel aufschlägt. Zach Condon’s Stimme schwebt inmitten der harten Übergänge wie ein Fremdkörper, zugleich aber als Moment poetischer Entrückung.
Dass Modeselektor dieses Stück in den Mix verwebt haben, zeigt ihren ungebrochenen Drang, das Erwartbare zu unterlaufen. Auch das Cover greift diese Ambivalenz auf: Zwei Figuren, klein und verletzlich, sitzen auf einem kantigen Vorsprung, im Rücken eine übermächtige, dunkle Struktur. Dieses Bild korrespondiert mit der musikalischen Dramaturgie, die immer wieder zwischen monumental und fragil schwankt. Tracks wie „Kupfer“ oder „Movement“ verdichten diese Gegensätze in einer Weise, die gleichermaßen irritiert und fasziniert. Am Ende bleibt ein Werk, das keinen geschlossenen Erzählbogen bietet, sondern eher eine Collage aus Brüchen, aus Rastlosigkeit, aus verschobenen Blickwinkeln.
Genau darin liegt aber auch die Stärke von DJ-Kicks: Modeselektor: ein Spiegelbild ihrer Karriere, die stets zwischen Grenzgang und kontrolliertem Kontrollverlust oszillierte.
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