MIA. – Tacheles

Was veranlasste damals meine gute Freundin dazu, auf dem Frequency Festival 2007 ihre wirklich letzten Reserven herzugeben? Der Grund dafür war ‚ Tanz der Moleküle von MIA. aus Berlin. Meine Güte ist das schon lange her – trotzdem unvergessen. Erinnerungen für ein Leben lang. Doch es hat sich einiges geändert in den letzten Jahren. Die Musik der deutschen Elektro-Pop-Musikgruppe hat ordentlich an Schwung verloren. Mieze Katz, Andy Penn, Gunnar Spies und Robert „Bob“ Schütze wollten zwar nur Ihren Ansprüchen als Band gerecht werden, doch bereits die erste Single ‚ Fallschirm ‚ verzichtete darauf, etwas neues zu probieren. Der Refrain wird bereits nach wenigen Sekunden abgeschossen und lässt den Hörer dort landen, wo er sich auch bei den letzten Platten wiederfinden musste: Vor einem Resüme aus Rock und Pop, Electro und Disco. Dabei beginnt eigentlich alles noch ganz zuversichtlich. Zielstrebig marschiert das Schlagzeug im Eröffnungsstück ‚ Sturm ‚ Hand in Hand mit sanften Synthie-Linien über grüne Wiesen. ‚ Das Haus ‚ ist dagegen genau das richtige für den anspruchslosen Electro Hörer, während in den kommenden Minuten besonders das Stück ‚ Immer wieder ‚ durch die einschlägigen Clubs ziehen wird – in denen Mitklatschen in großen leuchtenden Buchstaben über der Eingangstür steht. ‚ Tacheles ‚ müsste, mit konzentriertem Blick auf den Titel, unverblümt und offen seine Meinung äußern. Doch was wir hier anhören müssen, sind lediglich konstruierte Zeilen, flache Melodien und eine Stimme, deren aufblitzendes Lebensgefühl, die Freude und die übeschnappenden Wörter aus vergangenen Jahren sehnlichst vermissen lässt. Es ist eine harmlose und bedeutungslose Platte, deren letzte Erinnerungen darüber schon bald verblassen. Und dafür Zeit herzugeben ist bei den derzeitigen Temperaturen nun wirklich unangemessen. Also Badehose einpacken, Sonnenbrille vor die Augen, ein langjähriges Lieblingsalbum in die Tasche und raus aus der Tür!