Margo Price – That’s How Rumors Get Started

Ausgehend von den ikonenhaften Americana-Bildern verweben Geschichten die persönlichen Kämpfe von Price mit übergreifenden Themen nationaler Kämpfe, wie beispielsweise ihrer offensichtlichen Kritik am amerikanischen Gesundheitssystem beim Abschluss von „I’d Die for You“. Diese Kombination aus Persönlichem und Universellem, die sich auch äußerst persönlich anfühlt, verleiht dem neuen Album eine thematische Doppelseitigkeit, die sich auf vielfältige Weise mit uns verbinden kann. Americana und Country sind dabei die seit Jahren fallenden Schlagwörter, bei dem Versuch die Musik von Margo Price zu kategorisieren. Doch ab einem bestimmten Punkt ist es nicht mehr sinnvoll, das Wort „Country“ zu verwenden. Margo Price macht keine Country-Musik. Vielleicht hat sie es nie getan. 

Price fand einst ihren Weg zur Bekanntheit durch Jack White’s Third Man Label – ein Nashville-Ding, das nichts mit dem Nashville-Establishment zu tun hatte. Dennoch war „Country“ immer ein entscheidender Bestandteil der Promotion von Margo Price. Hier hatten wir eine großartige Country-Sängerin, die Country-Musik so sang, wie früher Country-Musik gesungen wurde. „That’s How Rumors Get Started“ ist kein Country Album oder gar ein Americana Album. Es ist einfach eine großartige Rockplatte. Vielleicht hätte das die ganze Zeit der Ton sein sollen: Hier haben wir eine großartige Rocksängerin, die Rockmusik so singt, wie Rockmusik früher gesungen wurde. „That’s How Rumors Get Started“ wurde übrigens in dem selben Raum aufgenommen, wie Beach Boys’ „Pet Sounds“. 

Die Credits auf dem Album von Price sind voll von Stars und Session-Musikern mit jahrzehntelanger Erfahrung: Pino Palladino, James Gadson, Benmont Tench und Matt Sweeney. Price’ Ehemann, der Singer-Songwriter Jeremy Ivey, spielt bei vielen Songs Gitarre und hat die meisten mit ihr zusammen geschrieben. Es gibt keine Geige, keinen Dobro, keine Mandoline. Nur ein Song hat sogar Pedal Steel. Stattdessen blickt „That’s How Rumors Get Started“ auf eine bestimmte Form von sonnigem, schimmerndem klassischem Rock zurück: Tom Petty, Bob Seger, Jackson Browne und Fleetwood Mac. Während sich die ersten beiden Alben von Price auf die Vergangenheit zu konzentrieren schienen, um ihre Identität zu erforschen, scheint dieses Album die gegenwärtigen Umstände mit einem klaren Blick in die Zukunft darzustellen. 

„Way back in the good old days / Things weren’t really all that good,“, singt sie auf „Twinkle Twinkle“ mit einer spöttischen E-Gitarre im Hintergrund. Sie geht nun mit Ihrer Geschichte weniger ernst um als früher. Sie ist im Fernsehen und ihr Privatleben wird von der Presse eingefangen. Aber sie ist nicht naiv. Das Lied rockt ziemlich und endet mit ihren Schreien: „It’s a bitch.“ Trotz dieser großartigen Momente haben wir hier ein Album, das fast zu klassisch klingt. Mit weniger direkten Themen, die die Welt um uns herum bewegen, bleibt vieles zu klischeehaft und tritt damit thematisch einen Schritt von der Intensität ihres letzten Albums zurück. Am Ende haben wir mit „That’s How Rumors Get Started“ eine solide Rockplatte, die sowohl die Zwanzigjährigen als auch ihre Eltern gemeinsam hören können.