Soko – Feel Feelings

Künstler sprechen oft davon, bei der Veröffentlichung einer neuen Platte auf den Reset-Knopf zu drücken, aber bei dieser dritten Platte von Soko fühlt es sich wahrer an als gewöhnlich. Fünf Jahre nach „My Dreams Dictate My Reality“ schließt „Feel Feelings“ ein besonders bedeutsames halbes Jahrzehnt in ihrem Leben ab. Sie wurde Mutter, wurde für ihren zweiten César-Preis nominiert und nahm an einem intensiven Workshop am Hoffman-Institut teil, um negative Verhaltensmuster zu beseitigen, die man ihr in der Kindheit angelernt hatte. Die Klarheit, die sie aus der Erfahrung gewonnen hat, spiegelt sich in Gefühlslagen wider, die mit dem plötzlichen, intuitiven Verständnis eines Durchbruchs einhergehen. 

Soko’s Emotionen – Verlust, Freude und vor allem Selbstbewusstsein – gehen bei ebenso ungehemmter Musik ineinander über. Stimmungen und Melodien gehen dahin, wo sie gebraucht werden, und Soko klingt dabei so faszinierend, dass das Fehlen einer offensichtlichen Struktur nur zu ihrer Aufrichtigkeit beiträgt. Das neue Album ist schick und erinnert an Charlotte Gainsbourg und Cat Power. Und obwohl die ersten Sekunden des psychedelischen Synthesizers des Eröffnungs-Tracks in einem preisgünstigen Science-Fiction-Film leicht einen Platz finden würden, bleibt dies ohne negative Konsequenzen. Die erdige Gitarre und das gekühlte Schlagzeug von „Are You A Magician?“ geben einen dezenten Ton an, der auch den Rest des Albums klar definiert.

Wir erleben einen atemlosen Flirt in „Looking for Love“, genießen die streichelnde Verführung von „Let Me Adore You“ und erfreuen uns am herrlich erotischen „Oh, to be a Rainbow!“ – ein seelenvolles Fest der wunderlichen Sexualität in all ihrer farbgewaltigen Pracht. Die Stimme von Soko nimmt in diesem Song einfühlsame Tonlagen an, während sie sich von den Traumata der Vergangenheit an anderer Stelle auf dem Album entfernt. Sie spricht zärtlich häusliche Gewalt in „Quiet Storm“ an und klingt genauso echt, wenn sie in „Don’t Tell Me to Smile“ härter wird. Leider wirkt die zweite Hälfte des Albums im Vergleich zu den ersten sechs Tracks flach. Einzig „Don’t Tell Me To Smile“ kontrastiert bezaubernd kindlichen Hintergrundgesang mit kurvenreichen und aufrichtigen Texten, doch die Struktur des Songs reicht nicht aus, um seine Bedeutung zu verstärken.

niemals perfekt ist, aber die Arbeit, die in dieses Album gesteckt wurde, ist unbestreitbar. Es ist zu hoffen, dass Soko für ihr nächstes Album weiterhin ihre Gefühle durch ihre Musik spürt, damit wir diese am Ende erneut mit ihr gemeinsam genießen können.