John Legend – Bigger Love

Nachdem die Black Eyed Peas mit einer Fülle an Gästen Ihr neues Studioalbum dieser Tage veröffentlicht haben, versucht auch John Legend sein Glück in dieser Richtung und lud für sein neues Album „Bigger Love“ unter anderem Jhené Aiko, Camper, Gary Clark Jr., Koffee und Rapsody ein. Mit „Darkness and Light“ aus dem Jahr 2016 schien John Legend bereit zu sein, die dornige Seite der Liebe anzupacken. Er wandte sich von den sirupartigen, hochzeitsfertigen Liebesliedern ab, die seine Karriere definiert haben, und ging die Romantik als eine Kraft an, mit der man verhandeln sollte. Die Ergebnisse dieser Platte fehlen jedoch in seinem siebten Album „Bigger Love“. Wenn überhaupt, hat Legend’s Trostlosigkeit zu einer Überkompensation von verliebten Andachten geführt. Da können auch seine zahlreichen Gäste nur wenig zur Verbesserung beitragen.

John Legend’s musikalische Tragweite ist zweifelsohne ein Beweis für sein großes Talent, aber sein Anspruch darauf, alles zu tun, bedeutet, dass seiner Arbeit manchmal ein gewisser kultureller Einfluss fehlt. Kurz gesagt, das neue Album „Bigger Love“ wird das nicht ändern, aber es hat sicherlich so manch überzeugenden Moment. Dominiert von diesem samtigen Tenor, ist es eine Platte, die John Legend’s Persönlichkeit in den Vordergrund rückt und in besagten Momenten für ein unglaublich freches und seelenvoll funkelndes Hörerlebnis sorgt. „Ooh Laa“ beginnt mit diesen wunderschönen Doo-Wop-Bewegungen, während das nächste Lied „Actions“ sich in die entgegengesetzte Richtung dreht und dasselbe David Axelrod-Sample verwendet, das „Still D.R.E.“ im letzten Jahrhundert angetrieben hat – jedoch auf eine etwas ruhigere, zweifellos sicherere Weise. 

Es ist dieser Widerspruch, der „Bigger Love“ oft zu einer frustrierenden Erfahrung macht. Wenn die Tracks auf Nummer sicher gehen, ist John Legend in vollem Gange und zeigt seine unbestreitbare Vielseitigkeit – aber es kann auch so aussehen, als würde es nur dem eigenen Alibi dienen und der Breite wegen größer klingen, als es eigentlich der Fall ist. Es überrascht nicht, dass für eine von Liebe dominierten Platte die Höhepunkte von „Bigger Love“ einige fantastisch gut ausgewählte weibliche Merkmale beinhalten. Koffee’s Aufbrausen im Chill-Dancehal von „Don’t Walk Away“ zeigt, dass Legend immer noch für einen Platz am Pop-Tisch berechtigt ist, während Rapsody’s stattliche Herangehensweise an „Remember Us“ den Klassizismus von John Legend’s Stimme perfekt ausgleicht. Das Ironische ist, dass er weiß, dass ein 16-Track-Album mit Liebesliedern für seine Frau zu viel ist: “She don’t want it. She don’t need it“.