M83 – Hurry Up, We’re Dreaming.

Der Albumtitel ‚ Hurry Up, We’re Dreaming ‚ ist eine treffende Zusammenfassung, denn das neue Werk handelt, nun, über Träume. Das Intro beginnt zaghaft, fast schüchtern und erst mit der wunderschönen Stimme von Zola Jesus umspielen uns schwebende Harmonien und glückliche Synthie-Wellen in einer eptischen Atmosphäre. Und in diesen Minuten finde ich es besonders schade, dass Zola Jesus nicht auf dem gesamten Album zu hören ist. Doch der zweite Track und Single ‚ Midnight City ‚ gestaltet sich durch seine Synthesizer-Linien, den auftürmenden Wänden, Synth-Blips und der Drum-Machine zu einem Stand-out Track mit grenzenloser Inspirationsfreiheit. Insgesamt hat die Einspielung des Albums knappe 13 Monate gedauert. Co-produziert durch den Bassisten Justin Meldal-Johnsen und abgemischt von Tony Hoffer hören neben Zola Jesus auch Brad Laner, sowie Beiträge von Gonzalez‘ Bruder Yann. Die Entscheidung ein Doppelalbum mit 22 Titeln einzuspielen findet man größtenteils in seiner Jugend: „Künstler, die etwas so riesiges wie ein Doppelalbum versucht haben, waren immer eine Inspiration für mich,“ erklärt er. „Es ist sehr viel Arbeit, aber ich wollte immer eines Tages so etwas erreichen, und es fühlte sich jetzt nach der richtigen Zeit für so etwas für mich an.“ Und mit ‚ Reunion ‚ bleiben wir in dieser Zeit und blicken an jene hellen Sommertagen der eigenen Kindheit zurück, die viel aufgestaute Energie, aber auch Angst und später Verantwortung brachte. Das gibt es im zweiten Teil der CD im Opener ‚ My Tears Are Becoming A Sea ‚ zu hören. Einen scheinbar feierlichen Charakter wie ‚ Wait ‚ in versprüht, ist schlussendlich doch nur eine Regen-artige Wolke, die den Hörer in das Reich der Glückseligkeit entsendet, aber auch ebenso rasch können diese Gefühle besiegt werden und die Trauigkeit über uns bringen. Einige Songs reflektierenden die Nostalgie, wo andere wiederum, wie ‚ This Bright Flash ‚, ein Gefühl der paranoiden Unausweichlichkeit versprühen. Es sind ironisch-widersprüchliche Erzählungen über Träume und Erinnerungen. ‚ Claudia Lewis ‚ dagegen ist die erste Pause zwischen 80er Jahre Musik und leidenschaftlicher Liebe. Zum Schluss der ersten Hälfte geleitet uns M83 mit akustischer Gitarre zurück auf die Erde. „Manchmal geht es schnell, und dann wird es für eine Weile langsamer. Man kann nicht immer beim gleichen Tempo bleiben.“ Und so wird es auch im zweiten Eröffnungsstück ‚ My Tears Are Becoming A Sea ‚ nach einer kurzen Bedenkzeit wieder voluminös und triumphierend. Was folgt sind treibende und positive Melodien in ‚ New Map ‚, die im späteren Stück ‚ Splendor ‚ mit Piano-Akkorden erweitert wurden. ‚ Train To Pluton ‚ aus dem ersten Teil und das folgende ‚ Fountains ‚ fungieren dabei als Zwischenspiele, „Das gesamte Album ist wie ein Film, mit Vorspann und Abspann.“ Das dritte Stück ‚ OK Pal ‚ ist dagegen mit ähnlichen Synth-Blips ausgestattet, wie sein Gegenstück ‚ Midnight City ‚ auf der gegenüberliegenden Seite. Es gibt abgesehen davon aber eine Menge verschiedener Variationen, sei es der psych-folk Ansturm in ‚ Year One, One UFO ‚ oder dem abstürzenden Orchester in ‚ My Tears Are Becoming A Sea“ ‚. Aber schlussendlich arbeiten diese verschiedenen Stimmungen und Ideen nicht wirklich zusammen. Sie dienen mehr als eine Reihe von Ablagen. Deshalb lässt sich das Album ebenso gut in der Shuffle-Fuktion genießen. Der Freude an dem Album tut das keinen Abbruch. ‚ Hurry Up, We’re Dreaming ‚ ist ein Traum, ein Traum den wir selbst in den 72 Minuten leben dürfen. Ich wünschte mir nach Abschluss des ‚ Outro ‚ mehr Zola Jesus und weniger die etwas dünne Stimme von Gonzales. Auch wenn es die bewusste Entscheidung war, wie er selbst erzählte: „Okay Anthony, du bist jetzt 30 geworden. Es ist Zeit für dich, weniger schüchtern vor einem Mikrofon zu stehen. Ich hatte nie zuvor so laut auf einem Album gesungen.“ Anerkennung verdient er trotzdem und auch wenn es sich für mich wie einen kleinen Schritt rückwärts anfühlt, bleibt die tiefe Anerkennung ungebrochen. In jedem Fall äußerst empfehlenswert und daher gebührt das letzte wahre Wort Gonzales: „Ich bin ein großer Romantiker, besonders in Bezug auf Musik. Es gibt nichts Schöneres als eine gute Aufnahme, die man auf einer guten Anlage anhören kann.“