Hole – Nobody’s Daughter

Will man mit einer negativen Einstellung an die neue Hole Platte herangehen, schiebt man das neue Werk ‚ Nobody’s Daughter ‚ dem Geld zu. Doch wäre diese Vermutung vermessen bei dem Anblick der elf Stücke von Courtney Love und den ausgereiften Melodien, die besonders im gleichnamigen Opener breitgefächert durch die Landschaften ziehen. Wunderschön erfrischend ist der Einstieg in ‚ Nobody’s Daughter ‚, mit den sanften Gitarren in gemäßigter Geschwindigkeit. Noch klingt alles ein wenig verhalten, fast schon schüchtern säuselt Courtney Love Ihre Strophen ins Mikrophon und erwacht unvermittelt aus Ihrem Dornröschen-Schlaf im nächsten Track ‚ Skinny Little Bitch ‚. Mehr muss über diesen aussagekräftigen Titel eigentlich auch nicht gesagt werden. Ganz im Stile vergangener Tage wurde der Platte ein dickes „EXPLICIT“ auf den Arsch tätowiert. ‚ Honey ‚ beginnt in seinen vier Minuten als Akustik Version und erfährt erst ab Mitte eine deutliche Lautstärkeanhebung. ‚ Pacific Coast Highway ‚ macht es offensichtlich: Dieser Track ist in Zusammenarbeit mit Billy Corgan und Produzenten Michael Beinhorn entstanden. Insgesamt bleibt es auch bei ‚ Nobody’s Daughter ‚ eine fast unmögliche Aufgabe, dem lyrischen Beichtstuhl von Love zu entsagen. Sie projiziert überzeugende Bilder in unsere Köpfe, erschüttert die Seele mit schwerliegenden Gefühlen und erinnert an die alten Zeiten durch inkonsistenten Gesang, eine Schwäche die wohl wiederum durch konstante Heiserkeit in den letzten Jahren herbeigeführt wurde. Aber das soll dem ungezwungen Spaß in den elf Songs keinen Abbruch tun. Denn über allen Defiziten herrscht Love mit Ihrer puren Gewalt, der unnachgiebigen Persönlichkeit und der dennoch unwiderstehlichen Stimme. Nüchtern betrachtet darf aber auch gesagt werden, das im Vergleich zu damals nur wenig eine Veränderung erfahren hat. Schlussendlich bleibt es daher eine Platte, die nicht so stabil um die Ecken sieht, wie manche im Vorfeld vermutet hätten. Höhepunkt auf ‚ Nobody’s Daughter ‚ ist der Track ‚ Samantha ‚, während ‚ How Dirty Girls Get Clean ‚ nun definitiv alte Zeiten hoch leben lässt. Das ist Hole im Ursprung und das ist Kunst, immerhin ist von den damaligen Mitgliedern niemand mehr dabei. Verdammt eingängig kratzt dagegen ‚ Loser Dust ‚ durch staubtrockene Wüsten. Hat man sich am Ende durch die Trackliste gearbeitet, bleibt das neue Studioalbum eine respektable Leistung ohne sichtbare Schwächungen. Und wer schon damals Hole liebte, wird auch mit ‚ Nobody’s Daughter ‚ seinen unweigerlichen Spaß finden. Courtney Love sei es in musikalischer Hinsicht von ganzen Herzen gegönnt.