Lyra Pramuk – Fountain

Auf ihrem Debütalbum arbeitet die amerikanische Musikerin ausschließlich mit Aufnahmen ihrer eigenen Stimme, verarbeitet und überlagert weitgehend nonverbale Klänge, um damit jede einzelne Faser ihres Seins zu erkunden. Keine Synthesizer, kein Schlagzeug – kein Problem. Die in Berlin lebende Komponistin zaubert mit ihrer Stimme epische und harmoniereiche Lieder. Pramuk wuchs in Pennsylvania auf und verbrachte ihre Kindheit im Kirchenchor, wo ihre Großmutter Pianistin war. Sie entschloss sich, Musik professionell zu betreiben, trat einem Konservatorium bei und beherrschte das Singen auf verschiedene Arten und in mehreren Sprachen. 

In den ersten Takten von „Witness“ sind die religiösen Einflüsse sofort erkennbar: ein Nachhall, der wie durch einen höhlenartigen Tempel schwingt. Pramuk’s Gesang wird von einem summenden, Techno-durchdringenen Ambiente begleitet. An dieser Grenze zwischen einer Clubumgebung und dem Göttlichen wird „Fountain“ lebendig. Mit ihrer Stimme als modulares System schlägt Pramuk ein Ritual vor, das sowohl folkloristisch als auch futuristisch ist. Während „Fountain“ intellektuell herausfordernd ist, ist es aber auch nicht weniger als ein angenehmes Hören, wie ein delikater Wein, der sich im Laufe der Zeit öffnet.

Jeder Ton auf „Fountain“ stammte aus derselben Quelle: Pramuk’s Stimme. Die Rhythmen, die Melodien, die Texturen – es ist alles sie, sogar die Teile, die nicht wie sie oder gar unmenschlich klingen. Neben erkennbaren Aufführungstechniken wie Vibrato und Summen verarbeitete Pramuk viele ihrer weitgehend nonverbalen Gesängen stark, manipulierte und überlagerte sie, um ein Orchester für sich selbst zu schaffen – eine technologische Ausgrabung der Resonanzmöglichkeiten ihres eigenen Körpers innerhalb einer zarten Vision. „Fountain“ kann nicht als Ambient charakterisiert werden und provoziert dennoch den Trance-ähnlichen Zustand, den das Genre hervorrufen kann.