Estuar – Felicium

Es ist das wunderschön gestaltete Booklet mit seinen warmen Farben, dem Hauch von spanischem Flair und die liebevoll gestaltete Inneneinrichtung nach dem Aufklappen, die dem Betrachter unweigerlich ins Auge sticht. Es ist eine Platte, deren innere Schönheit bereits von Aussen zum Vorschein gelangt und mit Ihrer unwiderstehlichen Aura die Aufmerksamkeit auf sich lenken kann. Es scheint wie selbstverständlich, wenn es die Kontrolle unserer Gedanken übernimmt, lenkt und das Ausweichen zur Unmöglichkeit werden lässt. Doch wer kann hier dem Drang absprechen und nicht den Versuch wagen, sich auf das Debüt von Estuar einzulassen? Nun ja. Vielleicht sture Menschen, Menschen die sich generell von besonderen Momenten distanzieren, oder vollkommen angepasste Menschen an die seelenlose Gesellschaft. Natürlich muss sich der Hörer für das langersehnte Debütalbum öffnen. Denn es gibt viel Neues zu erleben und zu entdecken, wie die unzähligen Melodienebenen, die klaren Klangbilder, der vielschichtige Umgang mit den Instrumenten und die bezaubernden Texte in Englisch und Französisch. Und hier erklärt sich auch der Anfangsgedanke: Es fliegt gelegentlich etwas spanisches durch die Lüfte. Zu verdanken haben wir diese Tatsache der Sängerin Helena de Pablos, deren zweite Muttersprache Spanisch ist. Estuar nennen Ihre Musik kurz Shycore und verbinden damit schlichte Eleganz mit makellos geschliffenen Indie Pop. Doch mag der erste Eindruck täuschen, denn auf ‚ Felicium ‚ findet man keinesfalls befangene Scheinwelten im Hochglanzformat, sondern realistische Aspekte an sich und den Hörer. Dazu zählen Country und Folk genauso, wie der schnörkellose und niemals nur schrammelnde Pop von Estuar. Es ist erstaunlich wie wandlungsfähig sich das Quintett durch die zwölf Stücke spielt und noch erstaunlicher ist die Tatsache, das Helena, Jakob, Jonas, Jochen und David aus Deutschland stammen und mit Ihrer zeitlosen Musik auf simple Art und Weise die Massen verzaubern. ‚ Felicium ‚ vereint angenehme Popsongs in dramatisch-schönen Formen und vergisst dabei nicht die überlebenswichtigen Haken zu schlagen. Beschwingt wandeln die Hamburger durch ‚ Sixteen Times ‚ und ändern Ihre Handlungsstränge in ‚ Fury ‚ durch den zarten Beigeschmack von Melancholie im rockigen Korsett und dem wohlverdienten Ausraster gegen Ende. Ohne Zweifel gewannen Estuar den Rockcity Bandwettbewerb in Hamburg zurecht, spielten eine Menge Shows und werden dies auch in Zukunft mit Sicherheit erfolgreich weiterführen. Einzig die reinen männlichen Gesangspart wie in ‚ Locate The Fire ‚ und ‚ Overcome ‚ wirken fehl am Platz und bleiben schlussendlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ansonsten überzeugen Estuar besonders durch beständigen Pop, der federleicht und mit erstaunlichen Anspruch in angenehmer Atmosphäre zu genießen ist. Gelegentlich jagen auch treibende Beats durch die Strophen wie im zehnten Stück ‚ No Words ‚ und unterstreichen nur noch einmal die herausragenden Qualitäten des Quintetts aus Hamburg. Wir wollen mehr davon und hoffen auf eine baldige Zugabe.