Lust For Youth – Lust For Youth

Ihre verträumten Synth-Texturen erinnern an Depeche Mode, The Cure und New Order, die etwas härter klopfenden Beats an den Europop der 90er Jahre und die Texte orientieren sich an die The Ordinary Boys. Unabhängig der unüberhörbaren Einflüsse sind die Ergebnisse ansteckend eingängig und die Produktion ist durchweg üppig. „New Balance Point“ startet das Album mit einem nach vorne drückenden Rhythmus, der alles öffnet: Eine grandiose Akkordsequenz und eine melodische Gegenmelodie (von denen es über die Platte reichlich gibt) sorgen für einen unbeschwerten Einstieg in das neue Album. Zugleich wurde die bewährte Formel aus „Compassion“ größtenteils übernommen, jedoch im Detail verfeinert und noch etwas genauer ausgearbeitet. 

 

Norrvide und Fischer, die jetzt als Duo arbeiten, haben hier einen fruchtbaren Nährboden geschaffen. Die Produktion ist wunderschön, düster und üppig, das Songwriting selbstbewusst und ausgereift und Norrvide’s brennende Gesänge sorgen immer wieder für impressionistische Augenblicke. Eine Sache, die den Sound etwas unheimlich erscheinen lässt, sind kleine kompositorische Tricks, die normalerweise bei dieser Art von Musik nicht zu hören sind. So zum Beispiel die synkopierten Akkorde auf „Insignificant“, die sich ausgesprochen modern anfühlen. Die Tracks auf „Lust For Youth“ entfalten sich auf eine gemächliche, aber bedeutungsvolle Art und Weise und streben immer einen zufriedenstellenden Übergang an.

Es geht dabei meist über Stil oder Genre hinaus. Bei acht Tracks mögen manche es aus Gründen der Länge kritisieren, aber dies sind robuste, gut gearbeitete Songs, die auch nach mehreren Drehungen frische Details zwischen den offensichtlicheren Melodien enthüllen. Auch wenn Lust For Youth weiterhin zu den besten Künstlern für den Synth-Pop des 21. Jahrhunderts stehen, so deutet es sich ebenso an, dass eine Weiterentwicklung für Norrvide und Fischer unumgänglich erscheint.