Düstere Melancholie paart sich auf UGLY DUCKLING UNION mit rohem Indierock, während LOWERTOWN die schmerzhafte Dynamik jugendlicher Isolation in ein faszinierendes, klanglich ungeschliffenes Konzeptalbum voller stilistischer Brüche verwandeln.
Die dumpfe Desorientierung beginnt mit einem Seufzer und der systematischen Verweigerung von Gewissheit. Stand das im Keller von Avsha Weinberg aufgenommene Debütalbum „I Love to Lie“ noch im Zeichen eines ungefilterten, bisweilen eruptiven Bedroom-Pop, so markiert der Nachfolger eine distanzierte Bestandsaufnahme der eigenen Erschöpfung. Lowertown, das aus Atlanta stammende und mittlerweile in New York ansässige Duo bestehend aus Olivia Osby und Avsha Weinberg, inszeniert das Eröffnungskonstrukt „Mice Protection“ als ein zögerliches Vortasten im Trümmerfeld einer übermüdeten jugendlichen Existenz. Das zwingende, sich wiederholende Motiv der Unschlüssigkeit manifestiert sich direkt in den ersten Textzeilen: „Maybe I’m good, maybe I’m bad / Maybe I don’t know what I am“. Die jugendliche Wut vergangener Tage ist hier einer unterkühlten Skepsis gewichen, die den gesamten Verlauf der neuen Produktion grundiert.
Diese klangliche und textliche Transformation spiegelt sich wider im ästhetischen Entwurf des Albumcovers, das eine künstliche, tableauartige Dystopie abbildet, in welcher die hässliche Entenfigur Dale inmitten einer mutierten, industriell überformten Landschaft verweilt. Diese bewusste visuelle Überzeichnung fungiert als analytischer Schlüssel für das gesamte Album. Sie bricht radikal mit der vermeintlichen Intimität der intimen Kelleraufnahmen, indem sie die reale, krisenhafte Kodependenz der beiden Kunstschaffenden in eine theatralische Märchenwelt externalisiert. Anstatt biografische Anekdoten bloßzulegen, wählen Lowertown die Maske der Künstlichkeit, um den emotionalen Kontrollverlust im analogen wie im digitalen Raum verhandelbar zu machen.
Die musikalische Evolution vollzieht sich über eine bewusste stilistische Dehnung, die sich von den reduzierten Lo-Fi-Strukturen der Frühwerke entfernt. Während das manische „Worst Friend“ mit seinen dissonanten Gesangsspuren das repetitive Kreisen um die eigene Unzulänglichkeit vorantreibt, öffnet das weitgehend akustische, von einer pastoralen Flöte durchzogene Instrumentalstück „Cover You“ einen unerwarteten Traditionsraum, der eher an folkloristische Schlichtheit als an zeitgenössischen Indierock erinnert. Die Lyrics dienen hier als argumentative Bruchlinien einer dysfunktionalen Beziehungsdynamik. Im zähflüssigen Grunge-Duell von „Forgive Yourself“ weicht die anfängliche Distanz einer harschen Selbstkonfrontation, die im Schlusssatz gipfelt: „It’s hard to hurt the ones you love / It’s hard to realize it’s you who’s done the wrong“.
Die konsequente DIY-Produktion, die ohne externe Instanzen oder glättende Studioeingriffe auskommt, verleiht den eklektischen Ausbrüchen der zweiten Albumhälfte eine rohe, fast klaustrophobische Dichte. Das von verzerrten Breakbeats angetriebene „(I Like To Play With) Mutts“ und das theatralische, an filmische Horror-Motive erinnernde „DIPSH*T“ agieren als bewusste Störfaktoren innerhalb der ansonsten melancholisch fließenden Dramaturgie. Lowertown nutzen diese klanglichen Reibungspunkte, um die thematische Zerrüttung und den Verlust geschützter, vorkommerzieller Räume greifbar zu machen. Das wortlose, akustisch gehaltene Finale „Some Things Never End“ entlässt uns schließlich in eine trügerische Idylle, die durch die zyklische Struktur des Albums sofort wieder entwertet wird, sobald der fragmentarische Beginn von vorne einsetzt.
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