Katy Perry – MTV Unplugged

In letzter Zeit vermittelt sich der Eindruck, als könnte wirklich jeder diese sagenumwobenen MTV Unplugged Konzerte geben. Eine Ehre die früher nur sehr wenige in Anspruch nehmen durften, wird heute mit dem goldenen Löffel per Zufallsprinzip entschieden. Man kann über die Sportfreunde Stiller denken was man will, jedoch sind die glorreichen Zeiten anspruchsvoller Lieder auch bei dem sympathischen Trio aus Bayern zu einem Teil Ihrer Vergangenheit geworden. Und nun also die Pfarrerstochter Katy Perry. MTV hat damit seine negativen Vorbehalte entgültig aus dem Raum geschoben. Denn mit Ihr waschen sich die geistigen Belebungen des einstigen Flagschiffs der MTV Unplugged Serie. Damals, im fernen Jahr 1996, machte der Sender Millionen mit den Verkäufen dieser Serie und heute kämpft er zwar nicht ums Überleben, aber um seine Glaubwürdigkeit. Und damit gelangen wir wieder zum Ausgangspunkt und zu Katy Perry. Denn genau diese fröhliche Unbekümmertheit, das stets natürliche Lächeln und Ihre feinen Charakterzüge erzeugen eine erfrischende Verjüngungskur der Unplugged-Reihe und verhelfen Ihr zu einem strahlenden Tapetenwechsel. Denn sie bringt zwei Vorteile mit sich: Zum einen nähert Sie sich der Show mit viel Respekt und zum Anderen nutzt Sie die Möglichkeit, sich in eine ernsthafte Pop Künstlerinnen umzubenennen. Sie ist eine charismatische Performerin mit stabilen Songs und gutem Geschmack. Sie hat lange und hart dafür gearbeitet, um Ihr Publikum schlussendlich für sich zu begeistern. Doch leider bleiben auch bei MTV Unplugged die Fehler nicht vollkommen in der schützenden Dunkelheit verbogen. Es sind Ihre Blicke auf den Nachbartisch, wo sich Alanis Morisette befindet und Ihr das kreischende Gesangsorgan gnadenlos abgeschrieben hat. ‚ Ur So Gay ‚ reibt mehr in einer abgespeckten Festlegung Ihrer nackten Kulisse, während Ihre Stimme für die jazzige Umlagerung von ‚ I Kissed A Girl ‚ einfach nicht geschaffen wurde. Doch bestimmen daneben einzig und alleine die Höhepunkte das Geschehen. ‚ Waking Up In Vegas ‚ oder auch die beiden neuen Songs ‚ Brick By Brick ‚ und das Cover der Fountains ‚ Hackensack ‚. Zudem findet der geneigte Fan ein kleines Interview der Frau aus Kalifornien und eine Bonus DVD mit Livematerial Ihrer Show. Ein weiterer Kritikpunkt ist an dieser Stelle der wahrlich spartanische Umfang. Sieben Songs und eine halbe Stunde Videomaterial sind für den hohen Preis wahrlich zu wenig und rechtfertigen den Kauf leider in keinster Weiße. Dennoch hat sich Katy Perry diese Auszeichnung uneingeschränkt verdient und schafft am Ende ein schönes und einfaches Bild, wenn sympathische Künstlerinnen für Ihre Arbeit respektiert und ausgezeichnet werden.

6.5